Österreichische Medientage 2022 21.09.2022, 11:10 Uhr

Medien-Visionen für morgen mit Gerhard Zeiler und Bogdan Roscic

Der erste Panel Talk im Rahmen der Österreichischen Medientagen wurde von Alexandra Föderl-Schmid (Süddeutsche Zeitung) moderiert. Teilnehmer waren Gerhard Zeiler (Warner Bros. Discovery) und Bogdan Roscic (Wiener Staatsoper).
Moderatorin Alexandra Föderl-Schmid (Süddeutsche Zeitung) mit den Diskutanten Gerhard Zeiler (Warner Bros. Discovery) und Bogdan Roscic (Wiener Staatsoper) bei den Österreichischen Medientagen 2022
(Quelle: Johannes Brunnbauer)
Im Rahmen der Österreichischen Medientage 2022 fand nach der Eröffnungsrede ein Talk unter der Moderation von Alexandra Föderl-Schmid (Süddeutsche Zeitung) statt. Gerhard Zeiler vertrat die Meinung, dass "der ORF durchaus ein starkes Medium ist. Doch auch die private TV- und Radio-Landschaft ist breit. Was wir brauchen, ist ein Regulativ in den sozialen Medien bzw. Online allgemein." Bogdan Roscic ist derselben Meinung und fügte hinzu: "In Deutschland zum Beispiel sind die Zeitungen ganz anders, schlechter anders. Die gesamte deutsche Berichterstattung ist von Verzwergungen gekennzeichnet. Es gibt also keinen Grund so zu tun, als gäbe es in Österreich keine Printmedien." Zeiler wiederum stimmte dem auch zu und sagte: "In den USA gibt es genau zwei ernstzunehmende Printmedien: die N"New York Times" und die "Washington Post". Im Vergleich dazu steht Österreich ja nicht schlecht da. Aber aufgrund von Geldknappheit wird es schwer, das zu erhalten." 
Föderl-Schmid fragte weiter, ob die derzeitige österreichische Regierung die Kommunikation im Land bewegt? Zeiler findet: "Ja, aber man traut sich nicht, Entscheidungen zu treffen." Roscic: "Ich bin Befürworter davon, dass es öffentlich-rechtliche Medien. Aber wo liegt eigentlich der Unterschied zu privaten Medien? Es ist gut, dass es beides gibt, aber derzeit sehe ich kaum Unterschiede." Darauf hat Zeiler einen Rat an den ORF: "Wenn man schon so groß am Medienmarkt ist, tut es auch gut, sich vorsichtig zu bewegen. Das betrifft nicht die Berichterstattung, sondern die ökonomische Dominanz. Medien sollten stattdessen dafür Sorge tragen, dass es keine Fake News mehr gibt, dass es keine Hate Speech mehr auf sozialen Medien gibt. Ich bin der Ansicht, dass alle Player mehr zusammenarbeiten sollten."

Plädoyer für die blaue Seite des ORF

Das nächste Thema des Talks lenkt Föderl-Schmid in Richtung Media Player, Streaming und ob jene Bereiche dem ORF verwehrt werden? Roscic ist davon überzeugt, dass "der ORF das machen dürfen muss. Denn insbesondere für die Kultur wäre das sehr wertvoll." Zeiler fügte hinzu: "Wenn man den ORF zerstören will, gibt man ihm keine Online-Plattform. Meiner Ansicht nach gelten fünf Prinzipien: Zum einen die Unabhängigkeit der Information, dass Österreich der Hauptkernmarkt ist, das Gesamtangebot an Österreich gebunden ist, das Angebot viel stärker digitalisiert werden muss (und das ist auch der einzige Vorwurf an den ORF, es muss hier mehr investiert werden) und dass mit den Gebühren gut gewirtschaftet wird. Das alles macht der ORF im Großen und Ganzen gut, nur die Investitionen in den Online-Bereich sind ausbaufähig."
Die Diskussion entwickelte sich weiter in Richtung "Kulturaffinität" der Bevölkerung und wie das durch die großen Medien verbreitet wird. Die Conclusio ist, dass im Vergleich zu Deutschland und den USA Österreicher sehr kulturaffin sind und auch bereit sind, Geld für Kultur auszugeben. So ist es in Deutschland zum Beispiel sehr selten, dass "ein Kulturbild die Titelseiten großer Tageszeitungen ziert", so Föderl-Schmid. 
Die Abschlussfrage von Moderatorin Föderl-Schmid an die beiden Medienprofis lautete, welche Tipps die beiden haben und was in Österreich im Medienbereich dringend geändert gehört. Roscic war die Antwort zu unkonkret, Zeiler hatte unter anderem folgende Anmerkungen: "Es braucht die jetzt als Inseratenbudgets eingesetzen Mittel der Regierung als Förderung für Printmedien, Streaming muss für alle erlaubt sein, soziale Medien müssen strenger reguliert werden und jede Person, die Hate Speech im Netz begeht, soll dafür finanziell belangt werden können."



Das könnte Sie auch interessieren