WKÖ-Handelsstudie 28.09.2022, 11:00 Uhr

Digitale Trends nutzen und reales Einkaufserlebnis stärken

Die JKU Johannes Kepler Universität Linz hat im Auftrag der WKÖ-Bundessparte Handel die digitalen Trends im Handel aus KonsumentInnensicht analysiert
(Quelle: Pixabay)
"Die Digitalisierung bringt neue Möglichkeiten für HändlerInnen, aber sie verändert auch das Verhalten der KundInnen massiv“, fasst Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel in der WKÖ die Ergebnisse des „Trend-Report #3 Digitalisierung“ zusammen. Aus der Studie geht hervor, dass – auch bedingt durch die Pandemie - die Digitalisierung im Handel weiter fortscheitet, gleichzeitig aber auch das Bedürfnis nach realen Einkaufserlebnissen wieder bedeutender wird.
Die von der Bundessparte Handel in Auftrag gegebene Studie wurde beim Handelstag am 20. September 2022 in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) präsentiert. BranchenvertreterInnen diskutierten dort mit ExpertInnen aus Politik und Wirtschaft, darunter Wirtschaftsminister Martin Kocher, Staatssekretärin Claudia Plakolm und EuroCommerce-Präsident Juan Manuel Morales, über aktuelle Herausforderungen und Zukunftstrends im österreichischen und europäischen Handel.

Fünf Digitalisierungs-Trends

Der "Trend-Report #3 Digitalisierung“ untersucht internationale Trends im Hinblick auf neue Technologien und Kaufverhalten der KonsumentInnen mit Fokus auf Digitalisierung:
#1 Daten Tracking: Daten von KundInnen werden gesammelt und für Marketingzwecke verwendet. Die Studie zeigt, dass KonsumentInnen offen für Datentracking sind, wenn sie im Gegenzug dafür personalisierte Produktlösungen sowie exklusive Einkaufserlebnisse erhalten. Auf der anderen Seite überwachen sich KundInnen auch selbst, zum Beispiel mittels Fitness-Tracker.
#2 Digitales Marketing: Um wettbewerbsfähig zu bleiben, ist digitales Marketing für HändlerInnen inzwischen nahezu unumgänglich. Als besonders effizient gilt digitales Marketing im Kontext von sozialen Medien. Immer mehr Unternehmen bieten Livestreams als neue Echtzeit-Kommunikationsplattform für ihre KunIinnen an. Um junges Publikum zu erreichen, setzen viele Unternehmen auf Social Media-Influencer.
#3 Digitale Kommunikation: Der Trend weg von analogen hin zu digitalen Kommunikationsmitteln hält an und ermöglicht Kosten- und Zeitersparnis für HändlerInnen und KonsumentInnen. Überwiegend wird die digitale Kommunikation über soziale Netzwerke abgewickelt. "Für 26 Prozent der österreichischen KonsumentInnen sind soziale Medien für den Kontakt zu Handelsunternehmen sehr wichtig oder wichtig – für jüngere KäuferInnenschichten zeigt sich erwartungsgemäß eine höhere Bedeutung“, erklärt Christoph Teller, Studienautor und Institutsvorstand des IHaM.
#4 Innovative Technologien: Immer mehr KonsumentInnen erkennen den Nutzen innovativer Technologien. Im Zentrum stehen dabei tragbare und biometrische Technologien. Zu tragbaren Technologien gehören zum Beispiel sogenannte Wearables wie Uhren, die die eigenen Sport- und Gesundheitsdaten aufzeichnen. Ein Beispiel für biometrische Technologien sind etwa unbemannte Geschäfte, zu denen der Zutritt per Gesichtserkennung in Kombination mit visuellen Sensoren ermöglicht wird. Auch digitale Zahlungstechnologien und GPS-Technologie sowie andere Formen virtuell geografischer Lokalisierung gewinnen an Bedeutung. „Zudem gelten virtuelle Realitäten im Handel als vielversprechender Trend, da diese einen Verkaufsvorteil repräsentieren“, erläutert Studienautor Ernst Gittenberger, Leiter des Centre of Retail and Consumer Research am IHaM. Damit haben KonsumentInnen die Chance, von zuhause aus virtuell Handelsgeschäfte und deren Produkte zu inspizieren.
#5 Entdigitalisierung: Ein Gegentrend zu den Digitalisierungstrends zeigt sich in der Abkehr von Technologien. Immer mehr KonsumentInnen schätzen und bevorzugen physische Kontakte im Vergleich zu digitalen virtuellen Kontakten. Für 44 Prozent der Befragten sind digitale Auszeiten beim Einkauf sehr wichtig bzw. wichtig. Das Pendel schlägt damit im Abklingen der Covid-19-Pandemie wieder in Richtung stationärer Einzelhandel aus. Die zunehmende Entsagung von Digitalisierungsmaßnahmen seitens der KonsumentInnen fordert den Handel. Digitalisierungstechnologien müssen vom sichtbaren Hauptdarsteller zum unternehmensinternen Regisseur der Handelsprozesse werden.
"Die Handelsunternehmen sind daher gut beraten nicht nur auf Digitalisierung, sondern auch auf exzellentes persönliches Service und ein entsprechendes Einkaufserlebnis zu setzen“, betont WKÖ-Handelsobmann Trefelik.



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