Rekordwert 18.06.2021, 10:00 Uhr

eCommerce Studie Österreich 2021: Ausgaben klettern auf 10,4 Milliarden Euro

Eine aktuelle Studie des Handelsverbandes analysiert den österreichischen Onlinehandels im Zehn-Jahresvergleich. Handyshopping wächst mit 67 Prozent so stark wie noch nie. Die Corona-Krise befeuert das Wachstum.
Mehr als ein Drittel der Österreicherinnen und Österreicher kaufen im Internet via Smartphone ein, die Ausgaben liegen aktuell bei 2 Milliarden Euro.
(Quelle: Pixabay)
Die zwölfte Ausgabe der bundesweiten "eCommerce Studie Österreich" des Handelsverbandes und der Plattform "Versandhandel, eCommerce & Marktplätze", der die führenden OnlinehändlerInnen des Landes angehören, in Kooperation mit der KMU Forschung Austria, zeigt massive Corona-bedingte Veränderungen: ein Allzeit-Ausgabenhoch im Onlinehandel, einen steigenden Umsatzabfluss ins Ausland, ein exponentielles Wachstum im Mobile Commerce sowie Stagnation für Alexa & Co.

Online-Shopping wächst um 20 Prozent, Auslandsabfluss steigt auf 55 Prozent

"Die österreichischen Distanzhandelsausgaben werden vom eCommerce dominiert und erreichen 2021 mit 10,4 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert. Von 9,6 Milliarden Euro Onlineumsatz entfallen bereits 2 Milliarden auf den Mobile Commerce – mit einem massiven Zuwachs von 67 Prozent", kommentiert Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes, die zentralen Ergebnisse der Studie.
"Smartphone-Shopping ist so beliebt wie nie zuvor und wurde durch die Corona-Krise ´Schaltzentrale´ für alle Kaufentscheidungen. Die 14.500 heimischen Webshops profitieren vom wachsenden Markt allerdings nur begrenzt, da mehr als jeder Zweite im Online-Ausland bestellt. Durch diesen milliardenschweren Kaufkraftabfluss kann unsere Volkswirtschaft die Chancen der Digitalisierung nur teilweise in Wohlstandszuwächse umwandeln", so Will. Die Auslandsabfluss-Quote steigt im Vergleich zum Vorjahr moderat aber doch von 54 Prozent auf 55 Prozent.
"Die Top-Warengruppen im Distanzhandel sind heuer Bekleidung mit 2,05 Milliarden, Elektrogeräte mit 1,3 Milliarden und Möbel mit 0,8 Milliarden Euro Umsatz. Die stärksten Zuwächse haben 2021 Corona-bedingt die Sektoren Einrichtung mit +38 Prozent, Spielwaren mit +37 Prozent sowie Sportartikel mit +22 Prozent verzeichnet", erklärt Studienleiter Wolfgang Ziniel, Senior Researcher bei der KMU Forschung Austria.

Klassischer Versandhandel konsolidiert sich: Umsatzplus von 100 Millionen Euro

Mehr als 90 Prozent der Distanzhandelsausgaben werden bereits online getätigt (9,6 Milliarden Euro) – ein Ausgabenwachstum von 20 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode. Überraschenderweise konnte sich aber auch der klassische Versandhandel konsolidieren und heuer ein Umsatzplus von 100 Millionen Euro erwirtschaften.
"Die Transformation vom klassischen Katalog- zum Onlinehandel scheint damit fast vollständig abgeschlossen zu sein. Heuer haben bereits drei Viertel aller Österreicherinnen und Österreicher im Internet-Einzelhandel eingekauft. Vor allem bei den Konsumenten über 40 Jahren sowie bei Frauen hat der Distanzhandel während der Pandemie stark an Bedeutung gewonnen", sagt Harald Gutschi, UNITO-Geschäftsführer sowie Vizepräsident des Handelsverbandes und Leiter der Plattform "Versandhandel, eCommerce & Marktplätze".

Retourenquote bleibt konstant bei 41 Prozent

"Rund 14 Prozent der gesamten Einzelhandelsausgaben der österreichischen Privathaushalte fließen bereits in den Distanzhandel, ein neuer Höchstwert. Im Schnitt gibt jeder von uns bereits 1.830 Euro pro Jahr im Distanzhandel aus – Tendenz steigend. Lediglich bei Büchern und Schreibwaren ist ein leichter Ausgabenrückgang zu beobachten", so Gutschi.
Konstant bleibt hingegen die Retourenquote. 2021 retournieren 41 Prozent der DistanzhandelskäuferInnen zumindest einen Teil der bestellen Produkte. Damit liegt die Retourenquote exakt auf dem Niveau der beiden Vorjahre. Spannend: Je jünger die KonsumentInnen, desto höher die Retourenquote.
"Im Branchenvergleich weisen die modischen Segmente erneut die höchsten Retourenquoten auf. Bei der Warengruppe Bekleidung macht sich zwar ein leicht rückläufiger Trend bemerkbar, dennoch werden 47 Prozent der bestellten Textilartikel wieder zurückgeschickt", bestätigt Wolfgang Ziniel.

Handyshopping boomt wie noch nie: Umsätze seit 2018 verdreifacht

"Das starke Wachstum beim Onlineshopping wird von der anhaltenden Dynamik des Handyshopping nochmals überflügelt. Mehr als ein Drittel der Österreicherinnen und Österreicher kaufen im Internet via Smartphone ein, die Ausgaben liegen aktuell bei 2 Milliarden Euro. Damit haben sich die Umsätze im M-Commerce innerhalb von vier Jahren mehr als verdreifacht", erläutert Rainer Will.
Allerdings ist Smartphone-Shopping nach wie vor eine Altersfrage: "Bei den unter-29-jährigen Konsumenten kaufen mittlerweile sieben von zehn via Smartphone ein. Bei den über-60-Jährigen liegt die Mobile-Commerce-Quote hingegen bei bescheidenen sieben Prozent", ergänzt Harald Gutschi.

Sprachassistenten bleiben ein Nischenprogramm, hören aber genauer hin

Der in den vergangenen Jahren medial gehypte Voice Commerce hat in Österreich hingegen weiterhin mit Schwierigkeiten zu kämpfen und konnte zuletzt nicht mehr zulegen: "Rund 910.000 Verbraucherinnen und Verbraucher nutzen internetbasierte persönliche Assistenten wie Amazon Echo oder Google Home. Allerdings shoppen nur 38.000 Menschen über Alexa & Co. Damit stagniert die Zahl der Voice-Shopperinnen und Shopper im Vergleich zum Vorjahr. Die Sprachassistenten bleiben beim tatsächlichen Kaufabschluss zwar ein Nischenprogramm, jedoch darf der Grad der Einflussnahme vor der Kaufentscheidung durch zunehmend technisch versiertere Sprachassistenten im höchstpersönlichen Umfeld keinesfalls unterschätzt werden", so Rainer Will abschließend.



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