Expert Insights
01.08.2018, 08:03 Uhr

Warum und wie wir Shopping Apps doch noch zum Erfolg führen (sollten)

Viele Händler scheuen die Investition in Apps. Trotz belegbarer besserer Performance gegenüber dem mobilen Web schätzen sie Aufwand und Kosten im Vergleich als zu hoch ein. Dies könnte sich angesichts dessen, wie wir unsere Smartphones heute nutzen, noch als Fehler herausstellen.
Alexander Gösswein, Regional Managing Director DACH, MEA & Russland bei Criteo
"Erst mal abwarten!" war lange Zeit unser Credo in Deutschland beim Mobile Commerce. Zwar haben wir das vor einigen Jahren steigende Wachstum bei der mobilen Nutzung sehr wohl zur Kenntnis genommen, aber gleichzeitig auch notiert, dass die mobilen Sales damals nicht im gleichen Maße stiegen. Mobile Webshops schienen erstmal als die sicherere, da im Vergleich zu Apps wesentlich kostengünstigere Basis, um das Thema Mobile zu erschließen.
Das Problem: Diese Haltung hält bis heute an. Wir sehen, dass Apps circa dreimal besser konvertieren als mobile Webshops. Wir sehen, dass Händler, die eine Shopping App neben ihrem mobilen Webshop anbieten, bereits 55 Prozent ihrer Online Sales mobil machen und Apps dabei die maßgeblichen Treiber sind. Wir sehen auch, dass nahezu alle Länder erfolgreicher im In-App-Commerce sind. Und trotzdem investieren wir nicht in Apps.
Dass dies auch anders geht, sehe ich im Mittleren Osten. Bei Kundenmeetings in Dubai kommt die Frage "App - ja oder nein?" nicht vor. Der Ansatz ist hier umgekehrt und lautet "Warum nicht? Ist doch intuitiv!" Natürlich kann man beide Regionen nicht direkt miteinander vergleichen. Der Mittlere Osten hat die Desktop-Zeit weitestgehend übersprungen und sich mit rasanten Schritten direkt dem M-Commerce verschrieben. Online Shopping findet hier mobil statt und wo es geht in der App. Dennoch, nur mit kulturellen Unterschieden zu argumentieren, greift zu kurz.

Browser dominieren den Desktop, doch Apps das Smartphone

Was meinen meine Meeting-Partner mit "intuitiv"? Dass Apps leicht zu nutzen sind? Das ist das mobile Web auch. Die Antwort liegt vielmehr darin, wie wir als Konsumenten unser Smartphone begreifen. Ich öffne hier morgens nicht wie am PC zuerst den Browser, um eine Suche zu starten. Ich öffne eine App, meistens eine Nachrichten- oder Wetter-App. Sie liegt prominent auf meinem Bildschirm, ich klicke sie also "intuitiv" an. Es ist kein Wunder, dass sich dieses Nutzungsverhalten über kurz oder lang auch in der Art und Weise niederschlagen wird, wie ich mobil einkaufe. Apps sind das Erste, was ich auf dem Screen wahrnehme - deshalb sollte ich hier als Händler vertreten sein.
Natürlich kann man sagen, dass sich kein Nutzer hunderte Apps herunterladen wird. Und wenn doch, löscht er selten genutzte schnell wieder, spätestens wenn das Smartphone mal wieder meldet: Speicherplatz ist belegt! Sicher behalten wird er im Normalfall nur die Top 15 seiner meistgenutzten Apps: Wetter, News, E-Mail, Musik, Instagram, Fitnesstracker und ähnliche eingerechnet. In dieses Relevant Set gilt es als Händler vorzustoßen. Leider fehlt nur bei uns meist der Glaube, dass dies auch möglich ist. Ich behaupte: Eine Shopping App kann für Nutzer unentbehrlich werden. Wie?

Alexander Gösswein
Autor(in) Alexander Gösswein


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