eCommerce-Landkarte Österreich 18.11.2022, 09:00 Uhr

Handelsverband: 9.000 Österreich-Webshops setzen auf Digitalisierung

Handelsverband, Österreichische Post und UNITO Group präsentierten am 17. November die erste eCommerce-Map des Landes mit 11 Segmenten und 160 führenden Dienstleistern. 72 Prozent der Onlinehändler kämpfen mit Lieferverzögerungen.
Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes: "9.000 heimische Webshops bilden den Kern der österreichischen eCommerce-Szene, die den aktuellen Krisen trotzt."
(Quelle: Stephan Doleschal)
Der österreichische Onlinehandel durfte sich 2021 über ein Allzeit-Ausgabenhoch freuen, erstmals konnte bei den privaten Haushaltsausgaben (ohne KFZ-Handel) die Marke von 8,315 Milliarden Euro geknackt werden (+10 Prozent Wachstum). Heuer ist alles anders: Allein im 2. Quartal sind die eCommerce-Umsätze hierzulande laut Statistik Austria inflationsbereinigt um -4,8 Prozent zurückgegangen. Für das Gesamtjahr 2022 erwarten der Handelsverband und Kreutzer, Fischer & Partner einzelhandelsrelevante Online-Ausgaben von rund 8,5 Milliarden Euro – und damit erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt ein reales Minus von -3 Prozent. 
Die Onlinequote im Bereich der einzelhandelsrelevanten Ausgaben wird von 11,9 Prozent im Jahr 2021 auf 11,6 Prozent schrumpfen. Substanzielle Anteilsgewinne sind lediglich im Bereich Health Care, Körperpflege und Kosmetik zu erwarten, ein moderates Plus wird es bei Elektrogeräten & IT sowie Druckwerken geben. Rückläufig entwickelt sich der eCommerce heuer insbesondere bei Mode- und Sportartikel. So fällt beispielsweise die Onlinequote im Bekleidungssegment von 30 Prozent auf 25 Prozent. bei Sportartikel von 18 Prozent auf 16 Prozent. Der Onlinehandel kämpft aber nicht nur mit stagnierenden Umsatzzahlen, sondern auch mit der hohen Inflation (zuletzt +11 Prozent), Personalmangel (44 Prozent) sowie explodierenden Energie- und Logistikkosten. 

Zahl der aktiven österreichischen Webshops steigt auf über 9.000 

Die positive Nachricht: Trotz aller Herausforderungen und multipler Krisen setzen immer mehr heimische Händler auf die Digitalisierung. "9.000 heimische Webshops bilden den Kern der österreichischen eCommerce-Szene, die den aktuellen Krisen trotzt. Erstmals in seiner Geschichte muss der heimische Onlinehandel heuer ein reales Umsatzminus verkraften. Dennoch betreiben mittlerweile 84 Prozent aller Einzelhandelsunternehmen des Landes eine eigene Website, um digital auffindbar zu sein und mehr als 35 Prozent verkaufen via Internet erfolgreich - auch Cross-Border. Die österreichischen Webshops erwirtschaften damit einen Brutto-Jahresumsatz von 4,8 Milliarden Euro", bilanziert Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will. Auf Konsumentenseite ist die Zahl der Online-ShopperInnen zuletzt laut KMU Forschung Austria auf 5,4 Millionen angestiegen (+3 Prozent im Vergleich zu 2021). Die durchschnittlichen eCommerce-Ausgaben der ÖsterreicherInnen liegen aktuell pro Kopf bei 1.930 Euro im Jahr. Die Top-Warengruppen sind Bekleidung/Textilien, Elektro sowie Möbel/Deko. 

72 Prozent kämpfen mit Lieferverzögerungen – Entspannung in Sicht 

Auch in puncto Lieferverzögerungen und -engpässe hat sich die Lage im Vergleich zum Vorjahr laut einer aktuellen Händlerbefragung des Handelsverbandes leicht entspannt. Aktuell kämpfen aber immer noch 72 Prozent der heimischen Online- und Omnichannel-Händler mit Lieferverzögerungen und Lieferantenausfällen. Knapp zwei Drittel (65 Prozent) erwarten in ihrem Segment Lieferengpässe im Weihnachtsgeschäft. Die VerbraucherInnen sind daher gut beraten, ihre Weihnachtsgeschenke möglichst frühzeitig zu besorgen. 

Black Friday läutet Weihnachtsgeschäft ein: 77 Prozent kaufen am 25.11. Geschenke 

Apropos frühzeitig: November und Dezember sind für den heimischen Handel traditionell die umsatzstärksten Monate, die in vielen Branchen über ein erfolgreiches Geschäftsjahr entscheiden. "Black Friday" (25.11.2022) und "Cyber Monday" (28.11.2022) heißen die beiden anstehenden Aktionstage, die hierzulande mittlerweile zu den wichtigsten Shoppingterminen des Jahres zählen und das Weihnachtsgeschäft einläuten. 4 Heuer planen mehr als drei Viertel der ÖsterreicherInnen (77 Prozent), diese Sondereinkaufstage zu nutzen, um erste Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Die heimischen KonsumentInnen werden in der Black Friday- und Cyber Monday-Woche 2022 im Schnitt 297 Euro ausgeben – exakt gleich viel wie schon im Vorjahr. Insgesamt bedeutet das einen bundesweiten Handelsumsatz von rund 450 Millionen Euro. 
"An den bevorstehenden Sondereinkaufstagen Black Friday und Weihnachtsgeschäft wird der Löwenanteil im Onlinehandel umgesetzt. Mit Blick auf die Lieferverzögerungen gilt für die Kundschaft: Wer früh kauft, kauft gut", rät Rainer Will. "Der Onlinehandel hatte mit 2020 und 2021 zwei unglaublich gute Jahre. Definitiv kann man es jetzt zwar noch nicht sagen, aber 2022 wird auf dem Online-Markt wahrscheinlich mit einer Stagnation oder einem Rückgang beendet werden. Es ist eine komplett normale Entwicklung, dass es nach zwei Jahren, in denen der Onlinehandel wie verrückt gewachsen ist, ein Jahr stagniert oder wieder runtergeht", sagt Harald Gutschi, Vizepräsident des Handelsverbandes und Geschäftsführer der UNITO/OTTO Gruppe.
"Für 2023 bin ich sehr optimistisch und rechne mit einer normalen Entwicklung mit 5 bis 8 Prozent Online-Wachstum und eCommerce-Umsätzen sehr deutlich über Vor-Pandemie-Niveau. Momentan wird im Non-Food-Bereich jeder fünfte Euro im Onlinehandel ausgegeben, perspektivisch in drei bis fünf Jahren wird es jeder dritte Euro sein", so Gutschi. 

B2C-Paketvolumen bewegt sich auf hohem Niveau des Vorjahres 

Mit Blick auf das Weihnachtsgeschäft stellt sich auch Jahr für Jahr die Frage nach der Entwicklung des Paketvolumens im B2C-Bereich. Dieses kannte in der letzten Dekade nur eine Richtung: steil nach oben. 2021 wurden in Österreich laut Branchenradar.com insgesamt mehr als 139 Millionen Pakete an Privathaushalte zugestellt. Das B2C-Paketvolumen bewegt sich auch 2022 auf dem hohen Niveau des Vorjahres. "In den letzten beiden Pandemiejahren sind unsere Paketmengen lockdown-bedingt um 40% auf 184 Millionen Pakete angestiegen. Mittlerweile haben sich die Zahlen auf einem hohen Niveau eingependelt. Wir rechnen heuer mit einem Volumen auf Vorjahresniveau", bestätigt Peter Umundum, Vorstandsdirektor für Paket & Logistik der Österreichischen Post AG.

Brandneu: "eCommerce-Landkarte Österreich 2023" 

Im Rahmen der heutigen Pressekonferenz wurde auch erstmals die brandneue "eCommerce-Landkarte Österreich 2023" mit den 160 führenden heimischen eCommerce-Dienstleistern präsentiert. Die Karte deckt 11 zentrale Bereiche des Onlinehandels ab: Shop-Systeme; Shop-Verzeichnisse; Marktplätze & Plattformen; Payment; Bonität, Identität & Loyalty; Fulfillment; Zustellung; Analytics; Kundenservice; Gütesiegel & Rechtssicherheit sowie Enterprise & B2B Partner. Sie soll den Händlern einen kompakten Überblick über das österreichische Ökosystem Onlinehandel geben und die wichtigsten Player abbilden. Die gemeinsam von Post und Handelsverband erstellte Karte soll regelmäßig aktualisiert und weiterentwickelt werden. DienstleisterInnen haben die Möglichkeit, sich und ihre Leistungen in kommenden Ausgaben der "eCommerce-Landkarte Österreich" zu verorten. 
"Wir wollen die Österreich-Quote im eCommerce anheben. Damit der heimische Handel stärker von den hohen Paketmengen profitiert, haben wir gemeinsam mit dem Handelsverband die eCommerce-Landkarte ins Leben gerufen. Händler erhalten damit einen kompakten Überblick zu rot-weiß-roten Dienstleistern im Onlinehandel", so Umundum abschließend. 



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