Wiener Online-Supermarkt 09.12.2020, 08:00 Uhr

Maurice Beurskens, gurkerl.at: „Unser Ziel für 2021 ist die Marktführerschaft.“

Der Geschäftsführer von Gurkerl.at gibt im Interview Einblicke über den Start des Online-Supermarkts, was Gurkerl.at vom (internationalen) Mitbewerb unterscheidet und wohin die Reise gehen soll.
Maurice Beurskens, Geschäftsführer von Gurkerl.at, zeigt sich optimistisch, dass Gurkerl.at in Österreich genauso erfolgreich sein wird, wie die Mutterfirma Rohlik in Tschechien und Rifli in Ungarn, die beide beeindruckende Umsätze erzielten.
(Quelle: Gurkerl.at)
Herr Beurskens, Sie sind Geschäftsführer von Gurkerl.at, einem Online-Supermarkt, der erst seit Kurzem in Wien am Markt ist. Die Muttergesellschaft Rohlik hat bereits in Tschechien als auch in Ungarn Online-Supermärkte nach demselben Prinzip. Was bewegte Sie dazu, nun auch den österreichischen Markt zu erobern?
Maurice Beurskens: Dieses Jahr hat Corona-bedingt unser aller Konsumverhalten völlig verändert. Für mich persönlich ist Österreich ein spannendes Land, insbesondere wenn man sich den Lebensmittelbereich ansieht: Zum einen gibt es eine hohe Dichte an stationären Lebensmittelhändlern, zum anderen ist die Qualität von Lebensmittelprodukten sehr wichtig für uns Kunden. Hier setzen wir mit gurkerl.at an: Wir sind ein IT-Start-up, das schnell und user-freundlich Lebensmittel in hoher Qualität liefert. Das ist in dieser Form und Größe an Sortiment neu in Österreich.
Ihr Ziel ist es, Marktführer im Online-Lebensmittel-Einzelhandel zu werden. Wie gut ist Ihnen das mit der Mutterfirma Rohlik in den bestehenden Online-Supermärkten in Ungarn und Tschechien gelungen – besonders im Vergleich mit dem klassischen Lebensmitteleinzelhandel?
Beurskens: Unsere Mutterfirma Rohlik wurde 2014 in Tschechien gegründet. Mittlerweile erwirtschaftet Rohlik 300 Millionen Euro Umsatz. Kifli wurde im Dezember 2018 in Budapest gegründet, und hat im ersten Jahr 30 Millionen Euro erwirtschaftet. Zum einen sind wir dort sehr erfolgreich, zum anderen liegt die Latte für Österreich deshalb sehr hoch.
Sollten Sie eines Tages ganz Österreich beliefern wollen, bringt dies einen hohen logistischen Aufwand mit sich. Wie bewerkstelligen Sie die Logistik zurzeit in Wien?
Beurskens: Wir fangen mit allen Bezirken Wiens und Umgebung (konkret: Schwechat, Mödling und Baden sowie einige Ortschaften in Korneuburg und Bruck an der Leitha) an. Sukzessive möchten wir das gesamte Umfeld rund um Wien abdecken. Aktuell haben wir 30 erdgasbetriebene VW-Caddys, 30 weitere sind bestellt. Damit können wir das prognostizierte Wachstum gut abdecken. 
Es gibt in Österreich einige Supermarkt-Ketten, die mittlerweile auch nach Hause liefern ­– insbesondere in Corona-Zeiten. Was unterscheidet Sie von den Lieferservices der bestehenden Supermärkte?
Beurskens: Wir liefern innerhalb von drei Stunden ab Bestellung, von Montag bis Samstag im Zeitraum von 7.00 bis 21.00 Uhr bis Jahresende. Unser Sortiment umfasst zum Start über 7.500 Produkte – da gibt es alles, von Supermarktartikeln über Produkte vom Bio-Bauernhof und auch aus Fachgeschäften.
Für die Konsumenten sind die Preise der einzelnen Produkte oder Services einer der wichtigsten Faktoren. Wie sieht Ihre Preisstrategie aus?
Beurskens: Supermarktartikel liefern wir zu Supermarktpreisen. Produkte von regionalen Bauernhöfen sind ab-hof-gebenchmarkt.
Die Muttergesellschaft Rohlik hat – wie bereits erwähnt – zwei weitere Online-Lebensmittel-Shops in anderen Ländern. Wie groß ist Gurkerl.at mittlerweile im Vergleich zu Ihren anderen Online-Märkten? Und wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie zurzeit in Wien? 
Beurskens: Wir haben aktuell bei Gurkerl (Stand: 1. Dezember 2020) 105 MitarbeiterInnen. Da sind wir sehr stolz darauf, denn die Gründung des Unternehmens ist erst im Juli 2020 erfolgt. In Österreich starteten wir mit 3. Dezember und gehen von einem Wachstum aus, das dem in Tschechien und Ungarn nahekommt. Unser Ziel für das erste Jahr ist die Marktführerschaft. 
„Online-Supermarkt“ ist ein eher dehnbarer Begriff. Wie sieht Ihr Sortiment konkret aus?
Beurskens: Wir decken folgende Produktkategorien ab: Brot & Gebäck, Obst & Gemüse, Fleisch & Fisch, Wurst & Schinken, Milch- bzw. Ersatzprodukte, Tiefkühlartikel, Trockensortiment, Getränke, Gesundheit & Pflege, Haushalt & Büro, Baby und Tierbedarf. Ein paar Beispiele: Wir haben eine eigene Öfferl-Bäckerei in unsere Lagerhalle gebaut, die frisches Brot und Gebäck produziert. Wir haben das größte Alnatura-Sortiment, dass in Österreich online erhältlich ist. Stolz sind wir außerdem auf das Sortiment von Marks & Spencer, welches wir exklusiv in Österreich anbieten oder auch auf die über 600 Artikel aus dem vielfältigen Babysortiment, das alles – von der Bio-Windel über 70 verschiedene Schnuller – offeriert. Auch für Biertrinker gibt es Neuigkeiten, denn bei uns sind auch über 500 verschiedene Biere erhältlich.
Was halten Sie als Experte im Online-Lebensmitteleinzelhandel von Amazon Fresh? Haben Sie für Ihre Online-Supermärkte internationale Vorbilder?
Beurskens: Wir bewegen uns in einem agilen Umfeld, wo eine Sache im Fokus steht: das, was unsere KundInnen wollen. Bei uns kann man beispielsweise Wunschprodukte bekanntgeben, die man im Sortiment sehen möchte. Und wir listen das ein. Das ist Teil unseres Konzepts. Internationale Vorbilder haben wir innerhalb der Rohlik-Grupp, denn wir sehen, dass das Unternehmen in Tschechien und Ungarn sehr erfolgreich unterwegs ist.
Der Begriff „Gurkerl“ ist sehr Österreichisch und fast ein wenig amüsant. Wie kam es zu der Namensgebung?
Beurskens: Danke! „Gurkerl“ finden auch wir super. „Rohlik“ in Tschechien heißt übersetzt „Kipferl“. „Kifli“ in Ungarn heißt übersetzt „Kipferl“. Die Marktforschung in Österreich hat uns schließlich mehrere Möglichkeiten eröffnet und „Gurkerl“ war dann schlussendlich unser Favorit, der sehr gut zu Österreich passt.
Und abschließend: Welche Ziele möchten Sie mit Gurkerl.at im neuen Jahr erreichen?
Beurskens: Unsere Ziele sind klar definiert: Die Marktführerschaft im ersten Jahr erreichen und nach drei Jahren sind wir dann in den schwarzen Zahlen. Und unser Zugang ist einfach: gute Qualität schnell geliefert, ohne lange Umwege. So möchten wir dazu beitragen, dass wir im Wiener Raum ein noch bewussteres Leben durch bewusstes Essen und regional produzierte Lebensmittel fördern.


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