Interview 10.03.2022, 08:00 Uhr

Stefan Tesch, Podcast relevant: "Podcasts sind keinesfalls ein Nebenbei-Medium."

Mitte Jänner 2022 startete Stefan Tesch, Inhaber und Chefredakteur von "Fisch Ahoi" sowie begeisterter Podcaster, den Unternehmer- und Wirtschafts-Podcast „relevant – das Audiomagazin über Business und Mutige“. Im Interview liefert er spannende Insights in seine Arbeit.
Stefan Tesch, Inhaber und Chefredakteur "Fisch Ahoi" und leidenschaftlicher Podcaster
(Quelle: Norbert Novak)
Herr Tesch, Anfang 2022 launchten Sie den Unternehmer-Podcast  relevant – das Audiomagazin über Business und Mutige“Warum der Begriff „Audiomagazin“? 
Stefan Tesch: Weil die Beiträge Tiefgang haben und sich mit einer magazin-artigen Aufmachung von tagesaktuellen Nachrichten-Podcasts abgrenzen. Beiträge auf „relevant“ haben lange Aktualität, das Magazin versteht sich als Archiv, wo man drin stöbern kann. Neben teils oft recht hektischen und schnelllebigen Podcasts, positioniert sich „relevant“ als besonnenes Format zum entspannten Zuhören.
Und warum „Mutige“ im Titel bzw. Claim?
Tesch: Weil jeder Unternehmer bzw. jede Unternehmerin Mut beweist, da er/sie etwas gewagt hat und auch Verantwortung für MitarbeiterInnen trägt. Man lebt mit Entbehrungen, geht Risiken ein und geht eigene, nicht vordefinierte Wege. Mit „Mutige“ eröffne ich die Ebene für Gäste, die in anderen Bereichen – abseits des Unternehmertums – Mut beweisen. Etwa durch das Vertreten von konträren Meinungen, soziales Engagement oder durch sportliche Leistungen.
Wie kam es zu der Idee, so einen Podcast zu launchen?
Tesch: Ich bin der Meinung, dass es zu wenige Podcasts über spannende UnternehmerInnen und Unternehmen gibt, schon gar nicht aus Österreich. Schaut man sich die Landschaft der Wirtschafts-Podcasts an, so dominieren Aktien-, Bitcoin- und Business-Coaching-Podcasts. Ich möchte die Welt der Unternehmen lebendig erzählen und Manager, GründerInnen und Kreative authentisch zu Wort kommen lassen. „relevant“ dient somit als Inspirationsquelle.
Wie schätzen Sie den Stellenwert von Podcasts im Allgemeinen ein?
Tesch: Ständig hört man den Begriff Podcast-Boom. Auch wenn ich kein Freund von dieser Bezeichnung bin, da es für mich immer den Beigeschmack eines Strohfeuers hat, so beobachten wir bei Podcasts gerade das Phänomen, dass sich diese Mediengattung aus der Nische zur breiten Masse bewegt. Je nach Studien hört rund jeder Dritte regelmäßig Podcasts, allen voran die jüngere Generation. Podcasts sind ja „nur“ die technische Plattform, viel wichtigster ist der Inhalt und das Format. Und hier erleben wir gerade eine Professionalisierung, die neben technologischen Faktoren für den angesprochenen Boom verantwortlich ist. Von einstigen Nerd-Monolog-Podcasts mit schlechter Qualität, kommen Podcasts heute mit schickem Sounddesign, spritzigen Interviews und qualitativ hochwertigem Content daher. Es dominiert das klassische Interview, selten hört man hingegen Reportagen. Podcasts sind aus meiner Sicht eine weitere Spielart in der Medienlandschaft. Sie fungieren nicht als Ersatz von Radio (oder gar Todesurteil), sondern als sinnvolle, zeitgemäße Ergänzung und als eine weitere Möglichkeit, seine Zielgruppe zu erreichen bzw. sogar eine neue Zielgruppe zu erschließen.
Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere am Medium Podcast?
Tesch: Audioinhalte sind bei NutzerInnen derzeit nicht solch großer Konkurrenz ausgesetzt, wie etwa Visuelles. YouTube, Instagram, Zeitungen, TV und Co. konkurrieren untereinander um die Gunst der SeherInnen. Und sie binden auch die volle Aufmerksamkeit der des Publikums. Podcasts konkurrieren nur mit dem Radio und man kann sie etwa während dem Öffi-Fahren hören oder auch beim Sport. Das erschließt neue Audiences und neue Nutzungsmuster. Podcasts sind aber keinesfalls ein „Nebenbei“-Medium, denn das Involvement der HörerInnen ist viel höher als beim Radio. Wer einen Podcast hört, ist gedanklich voll dabei. Podcasts sind ein „intimes“ Medium, bei denen man die Stimme eines Interviewpartners direkt im Ohr hat.
Welchen Stellenwert haben Podcasts Ihrer Meinung nach als Medium für Unternehmen?
Tesch: Unternehmens-Podcasts, auch Corporate Podcasts genannt, ermöglichen den direkten Weg zu (potenziellen) KundInnen. Unternehmen können mit einem Corporate Podcast Content Marketing betreiben, und sich mit interessanten Inhalten in den Köpfen ihrer HörerInnen verankern und sie damit zu KundInnen machen. Sie können sich mit Podcasts als Experten im Bereich ihres Business positionieren und somit Kaufentscheidungen beeinflussen.
Was sind die Zutaten für einen gelungenen Corporate Podcast?
Tesch: Achtung Spoiler: Abzuraten ist davon, einen Corporate Podcast als reinen Werbekanal zu betreiben. HörerInnen gewinnt und hält man über Inhalte mit Mehrwert. Mit Antworten auf Fragestellungen seiner Zielgruppe und mit einer kleinen Portion Selbstkritik. Podcasts leben von der Authentizität. Sie können, nein, sie müssen sogar Ecken und Kanten haben, um die Persönlichkeit der Protagonisten zu unterstreichen. Versprecher bei Interviews, Dialekt, auch mal ein „ähm“ und Umgebungsgeräusche machen dieses Medienformat lebendig. Die HörerInnen haben das Gefühl, dass sie bei einem echten Gespräch live dabei sind. Bei zu straight produzierten Episoden springen HörerInnen ab und werten es als Werbung.
Für welche Unternehmen eignet sich ein Corporate Podcast?
Tesch: Das Spektrum reicht von One-Man-Shows, wie etwa Unternehmensberatern, bis hin zu Konzernen. Podcasts dienen als content-getriebener Marketing-Kanal sowohl der Imagepflege, als auch der Kundenbindung und -gewinnung. Jedes Unternehmen, das eine Story erzählt und für bestimmte Werte steht, kann daraus ein Format für einen Corporate Podcast entwickeln. Idealerweise kombiniert man den Podcast mit bestehenden Kanälen, wie etwa einem Corporate Blog oder einem Kudenmagazin.



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