Nutzungsbedingungen 23.11.2021, 10:00 Uhr

WhatsApp nimmt nach Millionenstrafe einen neuen Datenschutzanlauf

Neue Nutzungsbedingungen, die WhatsApp Anfang des Jahres veröffentlichte, sorgten für einen massiven Shitstorm. Jetzt will der Messengerdienst neue Bestimmungen veröffentlichen, auch vor dem Hintergrund eines Strafbefehls aus Dublin.
(Quelle: Pixabay)
Als Meta noch Facebook hieß und 2014 das wenige Jahre zuvor gegründete Messenger-Netzwerk WhatsApp übernahm, geschah dies unter der Vorbedingung, dass es keinen Austausch von Nutzerdaten zwischen den beiden Plattformen geben dürfe.
Diese eiserne Regel, deren Durchsetzung vor allem der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar immer wieder einforderte, begleitet WhatsApp seither, und alles, was die Unternehmen des Meta-Universums tun, steht ohnehin unter verschärfter Beobachtung der Datenschutzexperten. Auch die Nutzer sind skeptisch. Zwar gehört WhatsApp zu den meistgenutzten Apps überhaupt, dennoch genießt ihr Betreiber bei vielen Anwendern kein echtes Vertrauen.
Das zeigte sich Anfang des Jahres, als WhatsApp neue Nutzerbedingungen veröffentlichte - verbunden mit dem Hinweis, dass man die Plattform nur weiterhin nutzen können, wenn man diesen Bedingungen zustimmt. Um diese ziemlich unglücklich und intransparent formulierten Bedingungen entwickelte sich ein Shitstorm, der Messenger-Alternativen wie Signal oder Threema einen unerwarteten Nachfrageschub bescherte.
Schnell verbreitete sich die - unzutreffende - Nachricht, man müsse der Weiterleitung der Daten zu Facebook zustimmen. Am Ende zwang der Widerstand WhatsApp zu einer ungewöhnlichen Maßnahme: Die Aktualisierung der Nutzerbedingungen wurde bis auf Weiteres abgeblasen.

Meta wehrt sich gegen Bußgeld

Doch ein Bußgeld in Höhe von 225 Millionen Euro zwingt die Meta-Tochter jetzt erneut zum Handeln. Die irische Data Protection Commission (DPC) hatte das Bußgeld gegen WhatsApp im September verhängt, weil das Unternehmen seine Nutzerinnen und Nutzer nur unzureichend über die Verwendung ihrer Daten informiert habe. Der Meta-Konzern hat dieses Bußgeld bislang nicht akzeptiert und wehrt sich vor Gericht dagegen - Ausgang ungewiss.
Druck aus dem Datenschutz-Kessel soll nun ein zweiter Anlauf mit neuen Nutzerbedingungen nehmen, den der Konzern gerade vorbereitet, berichtet der "Spiegel". Laut den bereits im englischsprachigen Original vorliegenden Entwürfen sollen die NutzerInnen damit transparenter darüber informiert werden, was mit ihren WhatsApp-Daten geschieht.
Unangetastet bleiben sollen zwei Grundprinzipien, nämlich die End-to-End-Verschlüsselung aller Chats und die Nicht-Weitergabe von WhatsApp-Daten an andere Dienste im Meta-Konzern, vor allem an Facebook. Außerdem soll niemand dazu gezwungen werden, den neuen Bestimmungen aktiv zuzustimmen, um WhatsApp weiterhin nutzen zu dürfen.

Datenweitergabe an Facebook soll weiter ausgeschlossen bleiben

Was sich für NutzerInnen ändert, wenn sie nicht zustimmen, bleibt unklar. Bislang hält sich WhatsApp bei der Monetarisierung des Services über Werbung sehr zurück. Doch das dürfte sich nach Medienberichten bald ändern. Wenn WhatsApp kontextsensitive Werbung einblenden möchte, könnte dies eine Zustimmung der NutzerInnen erforderlich machen, ebenso wie weitere Targetingmaßnahmen, die eventuell mit der End-to-End-Verschlüsselung kollidieren könnten.
Wie genau im Detail die neuen Nutzerbestimmungen aussehen werden, steht noch nicht fest. Nur eins scheint sicher: Sie werden deutlich umfangreicher als früher. Ob sich das dem von der DPC geforderten Transparenzgebot verträgt, bleibt abzuwarten.

Frank Kemper
Autor(in) Frank Kemper



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