Traktor Wien im Interview 23.10.2019, 10:00 Uhr

"Es geht darum, herausragende Kreationen für den Online-Bereich zu schaffen."

Traktor Wien hat beim diesjährigen iab webAD insgesamt zehn Awards ergattert. Im Interview plaudert Alexander Winsauer, Geschäftsführer Traktor, über die ausgezeichneten Kampagnen, die Zusammenarbeit mit Künstlern und den Stellenwert von Awards.
Alexander Winsauer, Geschäftsführer Traktor Wien: "Wir versuchen Inhalte zu kreieren, die das Interesse der Online-Community organisch wecken und die auch international mithalten können – das setzen wir mit heimischen Marketingbudgets um."
(Quelle: Traktor/Konstantin Reyer )
Herr Winsauer, man darf Ihnen gratulieren, denn Sie haben beim diesjährigen iab webAD insgesamt zehn Awards in Bronze und Silber abgestaubt: Was bedeutet die Auszeichnung mit dem wichtigsten Award der Digitalwirtschaft in Österreich für Sie und Ihre Agentur?
Alexander Winsauer: Vielen Dank! Sie festigen unsere Position von einer "creative agency for the digital age". Es geht darum, herausragende Kreationen für den Online-Bereich zu schaffen. Dieser ist hart umkämpft, denn die digitalen User sind mit einer internationalen Content-Flut konfrontiert. Daher lässt sich auch das Interesse der User schwer „erkaufen“. Wir versuchen Inhalte zu kreieren, die das Interesse der Online-Community organisch wecken und die auch international mithalten können – das setzen wir mit heimischen Marketingbudgets um. Dabei ist uns wichtig, dass die Inhalte einen österreichischen „Touch“ haben und für die Zielgruppe im Inland relevant sind. Ein gutes Beispiel dafür ist das Musikvideo für unseren Kunden Manner mit Jugo Ürdens oder die Online-Kommunikationsstrategie, die wir mit den Wiener Linien fahren. Mit großem Engagement haben wir im vergangenen Jahr, gemeinsam mit einem traditionellen staatlichen Unternehmen – den Wiener Linien – Musikvideos veröffentlicht und damit ein „desire“ für eine Modekollektion ausgelöst: Das zeigt, wie effektiv wir Online-Kommunikation ohne große Media-Budgets umsetzen.
Die meisten Awards haben Sie für die Kampagne „Wir fahren mit der U-Bahn“ und „Jugo Ürden Warte“ gewonnen: Wieso sind die beiden Kampagnen Ihrer Meinung nach derart gut bei den Juries angekommen?
Alexander Winsauer: Alle reden von Branded Content und wir haben mit den beiden Kampagnen genau dieses Verständnis getroffen. Auch die positiven Reaktionen auf die beiden Kampagnen auf YouTube und Social Media zeigen, dass kreativer Content besser beim Zielpublikum ankommt, als Videos mit klassischen Werbeslogans.
"Wir fahren mit der U-Bahn“ hat am Markt gut performt und Rudi Nemeczek feiert ein Comeback: Sehen Sie hier einen Zusammenhang?
Alexander Winsauer: Ich denke, dass Rudi durch das Video auch wieder in das Gedächtnis der Leute gerufen wurde. Er ist ja ein geiler Typ und ich glaube, viele konnten sich dadurch auch an seine alten Hits erinnern und hören diese deshalb auch gleich mit. Der Song „Wir fahren mit der U-Bahn“ ist auch auf allen Musik-Streaming-Plattformen raus gekommen, das hat ihm sicherlich auch einen Push gegeben. Aber er trifft natürlich auch den Zeitgeist: In den 80ern war Autofahren cool und stand für Freiheit und Unabhängigkeit – alles was junge Leute eben wollten. 2019 gehen die Kinder dieser 80er Jahre auf die Straße und demonstrieren bei „Fridays for future“ – Umweltschutz und Öffis sind eben viel cooler.
Können Sie in wenigen Worten die Idee hinter der Kampagne „Warte“ für Ihren Kunden Manner beschreiben?
Alexander Winsauer: Jugo Ürdens war schon vor der Kooperation ein Fan von Manner und hat auch gerne einmal eine Schnitte vor seinen Fans gegessen. Zudem ist er in der Nähe der Fabrik aufgewachsen. Seine Textzeile: „Du wartest und wartest und wartest und wartest und wartest darauf, dass sich irgendetwas ändert. Sich irgendetwas tut, irgendwas passiert. Aber alles bleibt gleich, alles bleibt so“, beschreibt neben seiner persönlichen Thematik, auch das Erfolgsrezept von Manner. Die Manner-Rezeptur ist seit 1890 unverändert und konstant erfolgreich. Wir glauben daran, dass man nicht zwingend sein Produkt ändern muss, um eine neue, junge Zielgruppe erreichen zu können. Aber man kann der Zielgruppe zeigen, dass man auch für sie ein Lifestyle sein kann. Dies wird in weiterer Folge auch mit Artist-Kollaborationen und Manner Pantone forciert.
Welchen Stellenwert haben Kreativpreise generell für Sie und Traktor?
Alexander Winsauer: Kreativpreise ermöglichen die Sichtbarkeit von kreativen Arbeiten. Für uns als Kreativagentur ist vor allem der webAD und der CCA wichtig. International haben wir ja schon von Cannes Lions über Eurobest, New York Festivals und One Show viele gewonnen, aber ich glaube heimische Preise bilden eher die Realität ab – wir arbeiten ja primär für den deutschsprachigen Raum. Zudem bieten Awards Unternehmen die Möglichkeit, die besten Arbeiten der heimischen Agenturen zu sehen und dann auch die passende Agentur zu finden. Wir freuen uns immer über Kunden, die sich mit unserem Stil identifizieren und mit uns neue Wege gehen möchten, um aus der Masse hervorzustechen.


Das könnte Sie auch interessieren