Interview 28.04.2021, 09:30 Uhr

Jakob Schönherr, dentsu Austria: „Sind weit mehr als eine reine Mediaagentur.“

Jakob Schönherr ist neuer CEO von dentsu Austria. Im Interview verrät Schönherr, welche Ziele er sich für die Position gesetzt hat, was mit der Marke Vizeum passiert und was dentsu von anderen Mediaagenturen unterscheidet.
Jakob Schönherr, CEO dentsu Austria: „Die Marke Vizeum wird mit Ende des zweiten Quartals in die dentsu X integriert und somit als Marke auch komplett verschwinden.“
(Quelle: dentsu austria)
Herr Schönherr, Sie sind der neue CEO von dentsu Austria. Worauf werden Sie zu Beginn Ihrer Tätigkeit an der Spitze der Agenturgruppe Ihr Hauptaugenmerk legen?
Jakob Schönherr: Wir arbeiten an der Optimierung und Aufstellung der Gruppe, um mit vereinfachten Strukturen unseren Kunden maßgeschneiderte und integrierte Services bieten zu können. Wir wandeln uns von einer bisher stark Marken-geprägten Struktur hin zu einer Inhalte-orientierten Organisation.

Inwiefern unterscheidet sich dentsu Austria – in ein, zwei Sätzen – von anderen Mediaagenturen/Mediaagenturgruppen im Markt?
Schönherr: Wir sind weit mehr als eine reine Mediaagentur, die sich oft nur auf die Massenmedien konzentrieren – wir helfen unseren Kunden datengetrieben mit den Menschen in Kontakt zu treten. Dazu gehört natürlich auch der starke Awareness-Aufbau, geht aber mit einer Betrachtung der gesamten Customer Journey (inklusive Customer Retention) noch einen Schritt weiter. Und wenn sie mir noch einen dritten Satz erlauben, so sind es die Menschen, die bei uns arbeiten, mit ihrem starken Zusammenhalt, Agilität und Spirit, was man innerhalb eines so großen Unternehmens wie unserem kein zweites Mal findet.

Von außen betrachtet kann man bei der dentsu-Austria-Agenturgruppe schon mal den Überblick verlieren: Glauben Sie, dass dem Markt immer klar ist, wofür welche Marke innerhalb der Gruppe steht?
Schönherr: Sie haben absolut Recht mit ihrer Beobachtung. Wir sind in den vergangenen Jahren wahnsinnig stark gewachsen und hatten zuletzt global über 160 Marken. Wir bündeln diese Marken nun Schritt für Schritt, fußend auf Daten, Technologie und Kreativität, und konzentrieren uns in Zukunft auf die drei Service Lines Media, Customer Experience (CxM) und Creative. Wir sind überzeugt, so wieder mehr Klarheit in unser Angebot zu bringen und unseren Kunden besser bei ihren Problemstellungen zu helfen.

Wird Vizeum als Marke eigentlich komplett verschwinden?
Schönherr: Die Marke Vizeum wird mit Ende des zweiten Quartals in die dentsu X integriert und somit als Marke auch komplett verschwinden. Es ist dies ein Puzzleteil für eine klarere Ausrichtung. Doch es ist eben nur ein Teil, denn am Ende des Tages ist dentsu die Marke mit ihrem Angebot, die wir in die Welt hinaustragen.

Welche mittel- und langfristigen Ziele haben Sie sich in Ihrer neuen Position gesetzt? Wie wollen Sie die dentsu-Austria-Agenturgruppe prägen?
Schönherr: Der Umgang mit Medien wird sich in den nächsten Jahren zum Teil radikal ändern. Wir werden, um unseren Kanzler zu zitieren, auch hier einen Ketchup-Effekt sehen. Unternehmen werden sich noch schneller transformieren müssen und es werden neue Wege erforderlich sein, um die besten Kunden zu gewinnen, zu halten und auszubauen. Dentsu soll die unangefochtene Nummer Eins der datengetriebenen, ideengeleiteten und technologiegestützten Kommunikationsagenturen in Österreich sein.

Wie kann man sich die Einbettung von dentsu Austria in dentsu DACH vorstellen? Wie läuft und funktioniert da die Zusammenarbeit und können Sie das an einem Beispiel festmachen?
Schönherr: Die DACH-Region bildet mit insgesamt 3.000 MitarbeiterInnen die zweitstärkste EMEA-Region der dentsu, kulturell und sprachlich mag es so manche Gemeinsamkeit geben, doch die Märkte haben jeweils ihre eigenen Länderspezifika. Genau auf dieser Ähnlichkeit und doch Unterschiedlichkeit baut der Clustergedanke auf. Auf der einen Seite agieren vielen Kunden im DACH-Raum und wir können so schneller länderübergreifende Services anbieten. Auf der anderen Seite haben sich aufgrund der Unterschiedlichkeit der Märkte zum Teil auch unterschiedliche Kompetenzen herausentwickelt, z.B. arbeiten über 1.200 Spezialisten im CxM/MarTec-Bereich in der Schweiz mit denen wir uns so schneller austauschen und für den Kunden gemeinsam Projekte abwickeln können.



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