Wegen Corona-Jahr 2020 18.01.2021, 10:00 Uhr

Disney+, Netflix und DAZN verzeichnen 15 Prozent Wachstum

Corona-Krise treibt Digitalisierung und Medienkonsum an. Video-Streaming-Anbieter wie Disney+, Netflix und DAZN verzeichneten in Österreich starkes Wachstum von 15 Prozent. Auch E-Book-Verkäufe stiegen in Österreich um 7,8 Prozent an.
Hannes Orthofer, Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation bei PwC Österreich
(Quelle: PwC Österreich)
Während der weltweiten Covid-19-Pandemie ist die Nachfrage nach digitalen Unterhaltungs- und Informationsinhalten massiv gestiegen. So lautet eines der zentralen Ergebnisse des PwC Global Entertainment & Media Outlook 2020–2024. Durch Social Distancing und Einschränkungen der Mobilität verlagerte sich die Medien- und Unterhaltungswelt 2020 zunehmend ins eigene Zuhause – und wurde damit immer mehr remote, virtuell und streaminglastig. Trotz gestiegener Nachfrage nach digitalen Inhalten hat das Corona-Jahr 2020 das Wachstum der Branche aber stark unterbrochen. Inmitten einer globalen Rezession verzeichnete die Branche 2020 einen Rückgang von 5,6 Prozent – das entspricht mehr als 120 Milliarden US-Dollar – und damit die stärksten Umsatzeinbußen in der 21-jährigen Geschichte dieser Publikationsreihe. Zum Vergleich: Von 2008 auf 2009, dem letzten Jahr, in dem die Weltwirtschaft schrumpfte, sanken die Einnahmen nur um drei Prozent. 

Langfristig aber robustes Wachstum der Branche 

Während die Ausläufer und Schockwellen der Covid-19-Pandemie weiterhin in der Weltwirtschaft zu spüren sein werden, bleibt die Wachstumskurve der Medien- und Unterhaltungsbranche solide. „In den letzten Jahren lag das globale Branchenwachstum üblicherweise über dem BIP. Dementsprechend wird auch trotz der Herausforderungen des Krisen-Jahres 2020 damit gerechnet, dass die Medien- und Unterhaltungsbranche langfristig an dieses überdurchschnittliche Wachstum anknüpft“, erklärt Hannes Orthofer, Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation bei PwC Österreich. Bereits 2021 werden die Einnahmen der Studie zufolge wieder um 6,4 Prozent steigen. Das entspräche sogar dem größten jährlichen prozentualen Anstieg seit Langem. Bis 2024 prognostiziert PwC für die Gesamteinnahmen eine jährliche Wachstumsrate von 2,8 Prozent. In manchen Bereichen wird die Erholung allerdings länger dauern. Mit den größten Einbrüchen haben jene Segmente zu kämpfen, die von den Covid-19-Maßnahmen am härtesten getroffen wurden – wie etwa Veranstaltungen, Konzerte, Kino und Messen. Auch die Werbebranche wird die Krise noch länger beschäftigen. So gingen die Werbeeinnahmen 2020 um 13,4 Prozent zurück und werden nicht vor 2022 auf das Vorkrisenniveau zurückkehren. 

Corona-Krise: Streaming-Anbieter profitieren erwartungsgemäß 

Da die Menschen aufgrund der Pandemie vermehrt zuhause konsumierten, erzielten die im Fachjargon „OTT“ („Over the top“) genannten Streaming-Anbieter bereits 2020 ein Umsatzplus von 26 Prozent. Auch in Österreich stieg das Segment um immerhin 15 Prozent. Der Umsatz von Anbietern wie Netflix, Amazon Prime oder DAZN wird sich der Studie zufolge von 46,4 Milliarden US-Dollar (2019) auf 86,8 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 fast verdoppeln. Auch der Start des Streaming-Service Disney+ Ende 2019 hätte kaum zu einem besseren Zeitpunkt erfolgen können: Nachdem zwischen 60 und 90 Millionen zahlende Abonnenten bis 2024 prognostiziert wurden, erreichte Disney+ letztlich bereits Anfang Dezember 2020 über 80 Millionen Abonnenten.

Umbrüche kommen schneller als erwartet 

Am anderen Ende finden sich etwa die Kinokassen: Da Kinos geschlossen und große Filmstarts verschoben wurden, errechnet PwC für das Jahr 2020 einen globalen Einbruch der Kinoumsätze um fast 66 Prozent. Hierzulande wird bis 2024 mit einem Kino-Umsatz von jährlich 145 Millionen US-Dollar gerechnet, während dieser 2019 noch bei 160 Millionen US-Dollar lag. Auf der anderen Seite wird von einem deutlichen Anstieg der Video-On-Demand-Einnahmen ausgegangen: Bis 2024 dürften sie doppelt so hoch wie die der Kinos sein. Ein ähnlicher Umbruch zeigt sich auch beim Datenverbrauch von Smartphones im Vergleich zu festen Breitbandanschlüssen. „Während Smartphones 2019 nur die knappe Führung erreichten, dürften sie sich innerhalb der nächsten fünf Jahre zum absolut dominierenden Endgerät der weltweiten Internetzugang entwickelt haben“, so Experte Orthofer. Auch Print-Zeitungen und Zeitschriften sind von der Krise und der veränderten Mediennutzung betroffen. Der weltweite Gesamtumsatz brach 2020 um etwa 14 Prozent ein. In Österreich zeigt sich ein weniger dramatischer Rückgang, die Print-Umsätze fielen hier zumindest nur um 4,9 Prozent. 

Buch- und E-Book-Verkäufe: Aufschwung einer riesigen Branche 

Doch auch einige traditionelle Medien behaupten sich trotz Covid-19 und digitaler Beschleunigung. Angesichts von Ausgangssperren oder stark eingeschränkter Mobilität boomten 2020 die Buchverkäufe. Dieser weltweite Trend, angestoßen durch den ersten Lockdown, wird sich bis 2024 weiter fortsetzen und für ein Umsatzwachstum um 1,4 Prozent auf 64,7 Milliarden US-Dollar sorgen. Einen wesentlichen Beitrag leisten auch die neuen Technologien, da durch den zunehmenden Gebrauch von Smartphones und Smart Speakern der Konsum von Hörbüchern angekurbelt wird. Auch der E-Book-Verkauf erfuhr durch die Krise einen Schub: in Österreich stieg er um 7,8 Prozent. 

Ein herausforderndes Jahr bringt neue Möglichkeiten für die Zukunft 

Obwohl 2020 ein schwieriges Jahr für die Medien- und Unterhaltungsbranche war, wächst die Nachfrage der Konsumenten nach abwechslungsreichen Medienangeboten weiter. Hannes Orthofer fasst zusammen: „Covid-19 hat den Übergang der Verbraucher zum digitalen Konsum beschleunigt und über viele Medienformen hinweg einen – sowohl positiven als auch negativen – Umbruch ausgelöst. Deutlich wird aber auch, dass die Attraktivität der Medien- und Unterhaltungsbranche für Konsumenten auch im Corona-Jahr 2020 so ausgeprägt war wie eh und je. Auch in der Zeit nach der Pandemie wird es neue Herausforderungen geben, aber die nun beschleunigte Datenmigration wird in allen Segmenten Chancen eröffnen – nicht nur in jenen, die bereits von den Auswirkungen der Pandemie profitiert haben.“


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