Lisa Riepl, MediaCom 25.11.2022, 10:00 Uhr

„Es ist wichtig, auf Augenhöhe mit allen Partnern zu kommunizieren.“

Lisa Riepl arbeitet seit 2019 bei MediaCom als Client Service Consultant. Im Interview spricht sie über zentrale Themen der Marketingbranche wie Nachhaltigkeit und Diversität, aber auch über künftige Trends.
Lisa Riepl (Mitte), Senior Client Service Consultant bei der MediaCom spricht im Interview über zentrale Themen und Trends der Digitalmarketingbranche. Links: Elisa Zhu, rechts: Helene Riegler
(Quelle: Elisa Zhu)
Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema unserer Gesellschaft. Wie sind Ihre Erfahrungen hier, spiegelt sich das Thema „Nachhaltigkeit“ auch im direkten Kontakt mit den KundInnen wider?
Lisa Riepl: Nachhaltigkeit spielt in der Mediaplanung eine wichtige Rolle. Gerade jetzt in der Energiekrise machen sich Unternehmen Gedanken, wie man in den Wintermonaten Citylights und Digital- Out-Of-Home buchen kann, die die ganze Zeit beleuchtet sind. Es sind bei den Kunden definitiv Gedanken da, was man in der Mediaplanung machen kann. Ich finde es schwierig, da es keine einheitliche Definition von Nachhaltigkeit gibt. Man muss sich auch mit den KundInnen abstimmen, was Sie unter Nachhaltigkeit verstehen, um so Maßnahmen zu finden.
Wie würden Sie den Begriff „Nachhaltigkeit“ definieren?
Riepl: Auf Marketing bezogen, ist für mich die Transparenz wichtig, dass man den Kunden sagt, was man organisatorisch umsetzen kann und was man besser machen kann. Zum Beispiel bei der Jeansmarke Levi's hat der Marketingleiter gesagt, dass sie viel investieren, um Jeansmaterial nachhaltig zu machen. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, dass Unternehmen teilen, dass sie in diese Bereiche investieren. Es muss nicht alles von heute auf morgen perfekt laufen. Wenn jedes Unternehmen etwas in die richtige Richtung macht, dann sind wir auf einem besseren Weg.
Was sind konkrete Herausforderungen, mit denen Sie in einer nachhaltigen Strategieplanung konfrontiert sind?
Riepl: Nachhaltigkeit in der Mediaplanung ist schwierig zu definieren, da es darauf ankommt, was man darunter versteht. Wir reden heute eher davon, Kampagnen zu kompensieren, als von wirklicher nachhaltigen Werbeplanung. Also dass man Projekte findet, die man unterstützen kann, um den CO2-Verbrauch von TV-, Out-of-Home Kampagnen etc. auszugleichen. Es ist noch ein langer Prozess, bevor wir wirklich von nachhaltigen Medien reden können. Die Mediaplanung ist einer der letzteren Schritte, wo man daran denken sollte. Man muss im Unternehmen selber, in den Produkten, in der Kommunikation anfangen, nachhaltig zu denken, um nicht Greenwashing zu betreiben
Eine weitere Thematik, die die Digitalmarketingbranche immer mehr bewegt, ist Diversität. Was sind konkrete Maßnahmen, die Sie in der MediaCom verfolgen, um Diversität in der Kommunikationsbranche voranzutreiben?
Riepl: Es sollte wichtig sein, dass jeder schaut, auf Augenhöhe mit allen Partnern zu kommunizieren, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe, Ethnie, Beziehungsstatus etc. Es gibt gewisse Schulungen zum Thema „Diversity“ und „Integration“, die wir halbjährlich machen, damit diese Themen immer wieder in den Köpfen der Leute aufgefrischt werden. Ganz wichtig ist, dass wenn etwas passiert, man dies mit Vorgesetzten oder der HR-Abteilung teilt und dass das ernst genommen wird. Es gibt keine Themen, die es nicht wert sind, besprochen zu werden.
Wir haben jetzt bereits viel über Diversität gesprochen. Wie definieren Sie Diversität in der MediaCom?
Riepl: Diversität heißt für uns, dass jeder willkommen ist. Neben Herkunft und Geschlechter darf man nicht auf Sachen wie Bildungsstatus vergessen. Wir haben Quereinsteiger dabei, die nicht aus der Branche kommen. Wir haben ein Traineeprogramm mit Leuten direkt von der Schule. Man braucht nicht den tollsten Abschluss, um bei uns anfangen zu können.
Was würden Sie aktuell neben Nachhaltigkeit und Diversität als die großen Trends der Digitalbranche bezeichnen?
Riepl: Ein wichtiges Thema im Jahr 2022 ist das Metaverse. Im Influencer Marketing wird man sich immer mehr damit beschäftigen und schauen müssen, ob es tatsächlich Potentiale gibt. Ein weiterer Punkt, der in den nächsten Jahren wichtig sein wird, ist, dass Marken besonders agil und flexibel handeln müssen. Das ist zwar nicht nur ein Trend der Digitalmarketingbranche und das sehe ich auch bei unseren KundInnen. Vielen fällt es oft schwer, Dinge wirklich spontan umzusetzen und diese Spontanität wird immer mehr gefragt. Man sollte kürzere Zeiträume für Kampagnen anstreben, sich von den traditionellen Hierarchiestufen lösen und auch kleinere Entscheidungen selber treffen. Vielleicht mit kleineren Budgets zu arbeiten, mehr Always-On Kampagnen zu machen und Fehler zuzulassen. Es funktioniert vielleicht nicht alles auf Anhieb, aber so holt man langfristig das Beste aus dem Projekt.
Internet World Austria berichtet in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Marketing und Kommunikation der FH St. Pölten über das Interview mit Lisa Riepl. Dieser Ausschnitt des Interviews wurde von Helene Riegler und Elisa Zhu verfasst.



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