Interview 29.11.2021, 08:00 Uhr

Joachim Feher, RMS: „Das Produkt Radio ist das Liebkind der Digitalisierung.“

Joachim Feher ist seit 2017 Geschäftsführer des österreichischen Radio Marketing Service (RMS). Im Interview gewährt Feher Einblicke in seine Tätigkeiten und in gelungenes Radio Marketing allgemein.
Joachim Feher, Geschäftsführer RMS: „Du musst einen akustischen Anker setzen.“
(Quelle: RMS)
Herr Feher, bitte beschreiben Sie Ihre Tätigkeiten als CEO bei RMS.
Joachim Feher: Es fließt viel Zeit in den direkten Kundenkontakt, das sind  zum einen Agenturen aber auch Advertiser selbst. Der zweite Bereich, der auch durchaus intensiv ist, ist die Senderbetreuung und die Zusammenarbeit mit anderen Sendern, sodass die Senderfamilie weiterwächst. Die dritte wichtige Aufgabe ist kontinuierliche Produktentwicklung und das Weiterentwickeln des Existierenden. Zusammengefasst also Marktbearbeitung, Senderpflege und -erweiterung, Produktentwicklung und internes Management sowie Mitarbeiterführung und Unternehmensentwicklung. Wir in Österreich sind eine reine Sales- und Marketing-Organisation.
Würden Sie die Data Management-Plattform oder Smart Speaker Skills als Meilensteine in der Radiogeschichte bezeichnen?
Feher: Ich glaube, dass sich Radio weg von einem One to many-Medium hin zu einem One to one-Medium entwickelt und dass es sich sehr stark digital transformiert. Das Produkt Radio muss sich nicht verändern, denn jedes Smartphone ist ein weiterer flexibler Radioempfänger, der die Möglichkeit bietet, Radio unabhängig zu hören. Das bedeutet, es kommt eine Fülle neuer Touchpoints dazu. Radio profitiert von der Digitalisierung am schnellsten. Wir erleben gerade einen unglaublichen Boom rund um Voice. Ich bin davon überzeugt, dass Voice das Eingabe-Device der Zukunft sein wird. Das bedeutet wiederum, dass Marken eine Audioidentität brauchen.
Würden Sie sagen, dass das klassische Radio von Plattformen wie zum Beispiel Spotify oder Audio Now abgelöst wird?
Feher: Nein, das glaube ich nicht. Das klassische Radio hat einen unglaublichen Stellenwert im Alltag von vielen Menschen. Das fußt auf der verlässlichen Information, dem Servicecharakter und es schafft einen starken Community-Gedanken. Deshalb sind viele Radiosender bei Off Air Events so erfolgreich wie in Social Media. Bei Streaming-Plattformen muss man ein 'Music Aficinado' sein, um nicht in der selben Musikblase zu blieben. Viele hören Radio, um neue Songs zu entdecken und sich musikalisch weiterzuentwickeln.
Wie sieht für Sie herausragende Radiowerbung in fünf Jahren aus?
Feher: Herausragende Audiowerbung in fünf Jahren wird auf Grund von Targeting individualisierter sein. Ich glaube, Radio wird von UKW weg in Richtung einer One to one-Kommunikation gehen. Künftig wird mit künstlicher Intelligenz und Sprachsteuerung gearbeitet werden. Mithilfe interaktiver Spots kann man Inhalte erfragen, sich Proben reservieren lassen und vieles mehr. Radio wird also personalisierter und interaktiver werden.
Internet World Austria berichtet in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Marketing und Kommunikation der FH St. Pölten von der DMEXCO. Dieser Artikel wurde von Ellena Fehrer und Nora Bauer verfasst.



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