Birgit Sedlmayer-Gansinger, Virtual Identity 18.01.2022, 08:00 Uhr

"Kommunikationsziele der Kunden verändern sich aufgrund von Corona."

Getreu der Unternehmensvision von Virtual Identity, „Alltagsprobleme mit Leidenschaft erforschen und versuchen diese digital zu lösen“, gibt Birgit Sedlmayer-Gansinger, Business Development, im Interview Einblick über den generellen Wandel in der digitalen Branche.
Birgit Sedlmayer-Gansinger, Business Development bei Virtual Identity: „Wir sind recht kreativ geworden und haben viele Dinge entwickelt - überall. Und jetzt ist das Wichtige, die Dinge, die gut funktioniert haben, auch im zukünftigen Agentur-Alltag beizubehalten.“
(Quelle: Birgit Sedlmayer-Gansinger/Virtual Identity)
Frau Sedlmayer-Gansinger, Sie sind seit Ende 2010 Teil von Virtual Identity. Was hat sich seit Ihrem Start alles verändert? 
Sedlmayer-Gansinger: In unserer Agentur hat sich in den vergangenen elf Jahren viel verändert. Intern war die größte Veränderung, dass wir uns komplett neu aufgestellt haben. Vor sieben oder acht Jahren sind wir personal-technisch innerhalb kürzester Zeit sehr stark gewachsen und dann war das mit einem einzigen, großen Team nicht mehr handle-bar. Wir haben daraufhin drei Teams gebildet, die aber Branchen- oder Knowhow-übergreifend aufgesetzt sind. Innerhalb eines jeden Teams gibt es jede Abteilung, die auch sonst in der Agentur vertreten wäre und somit kann ein Team – das sind zwischen zehn und 14 Leute ungefähr –den Kunden in allen potenziellen Themen, voll umfänglich betreuen. Dadurch ist einerseits eine viel größere Kundennähe möglich. Zudem können die Teams etwa im Krankheitsfall oder bei Engpässen, sich untereinander helfen, gerne auch (fachlich) aushelfen.
Corona wird mittlerweile als "Alltagsproblem" gesehen. Was hat sich im Zuge der Corona-Pandemie innerhalb Ihrer Agentur verändert? 
Sedlmayer-Gansinger: Zum ersten haben sich, wie bei allen natürlich, die interne und externe Geschäfts-Abwicklung und Meetings auf Teams verlagert. Da wir davor schon alle viel unterwegs waren und die nötige Infrastruktur somit glücklicherweise schon vorhanden war, war die Umstellung von der persönlichen auf die digitale Kommunikation für uns – zwar durchaus abrupt – aber nicht schwierig gewesen. Ich halte es eher als einen Impuls dafür zu hinterfragen, ob persönliche Termine überhaupt noch notwendig sind. Natürlich waren wir auch gefordert, die Teams emotional zusammenzuhalten. Unsere Agentur ist in dieser Phase um zehn neue MitarbeiterInnen gewachsen. Da muss man sich dann schon Gedanken machen: Wie lernt man diese besser kennen, wie kann man deren Befindlichkeiten, Bedürfnisse eruieren – und das alles, ohne einander persönlich zu sehen. Ich glaube, was das betrifft, sind wir recht kreativ geworden und haben viele Dinge entwickelt. Und jetzt, glaube ich, ist das Wichtige, die Dinge, die gut funktioniert haben, auch im zukünftigen Agentur-Alltag beizubehalten. 
Sie haben vor allem interne Veränderungen angesprochen. Was hat sich hinsichtlich Corona in der Welt der KundInnen Ihrer Meinung nach verändert? 
Sedlmayer-Gansinger: Grundsätzlich waren wir als Digitalagentur durch Corona nicht so stark belastet wie viele andere Branchen. Unsere Kunden haben weiter investiert – teilweise sogar mehr als sonst, da sich durch die Absagen von Veranstaltungen, Messen und Events innerhalb kurzer Zeit einiges in digital transferiert hat. Wir sind also gut durch diese Zeit gekommen. Was vielleicht interessant ist, ist, dass wir inhaltlich einiges umgeplant haben, da einerseits zwar die Budgets aufgestockt wurden, sich allerdings die Kommunikationsziele unserer KundInnen aufgrund der Pandemie verändert haben. Einen Großteil der Zeit haben wir also genutzt, um Awareness-Kampagnen umzusetzen. Das heißt, dass der erste Teil des Funnel in der Kommunikation stark auf Reichweite und Image eingezahlt hat, um sowohl im Relevant Set der UserInnen verankert zu bleiben, als auch möglichst viel über die Zielgruppe zu lernen um datenbasierte Entscheidungen treffen zu können. Jetzt, wo es sich langsam wieder normalisiert, können wir auf die Erkenntnisse, die wir in den vergangenen zwei Jahren gewonnen haben, zugreifen und nun wieder in die Performance investieren. 
Abschließend würden wir uns gerne einem Thema widmen, das vor allem in der jüngeren Zielgruppe immer wichtiger wird: die Corporate Social Responsibility. Hat sich Ihrer Meinung nach in den vergangenen Jahren hier ein Wandel gezeigt? 
Sedlmayer-Gansinger: Absolut. Da fallen mir eine einige Beispiele ein. Also erstens bekommen wir immer mehr Anfragen, Corporate Social Responsibility Reports zu digitalisieren. Das Zweite, das mir einfällt, ist das Thema Elektromobilität in der Automotivbranche. Diese befindet sich in einer Disruption und hat sich gerade jetzt massiv verändert und weiterentwickelt – das merkt man tagtäglich auch im Content. Auch neu ist das Thema Pfand-Plastikflaschen bei Spar, wo man sich bereits jetzt Gedanken machen muss, wie man das Thema platziert und kreativ und kommunikativ umsetzt. Und auch bei uns in der Agentur, da beginnt es bei Kleinigkeiten: Wir vermeiden zum Beispiel Flüge und fahren ganz wenig mit dem Auto. Vor kurzem haben wir erst Parkplätze zurückgegeben, weil einerseits natürlich immer weniger Leute mit dem Auto fahren, andererseits aber auch als Statement, um unsere Agenturhaltung zu unterschreiben. Im Sommer 2021 haben wir einen dieser Parkplätze sogar als Garten für Meetings, one-to-one Gespräche, Mittagspausen und so weiter umgestaltet. Zudem haben wir ein Pro Bono-Projekt für die Aidshilfe Wien umsetzen dürfen. Für das Team dort erstmals eine Initiative auf TikTok – für die wir auch den European Digital Communications Award in Gold gewonnen haben – und sehr stolz darauf sind.
Internet World Austria berichtete in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Marketing und Kommunikation der FH St. Pölten. Dieses Interview wurde im Zuge der Kooperation von Stephanie Rettenegger und Angela Obradovic geführt. 



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