Larissa Kaiser, dentsu austria 20.01.2022, 08:00 Uhr

„Social Media ist ja ein bisschen ein zweischneidiges Schwert.“

Larissa Kaiser, Junior Communication Consultant bei dentsu austria, plaudert im Interview über zu erwartende Trends und Entwicklungen in der Kommunikationsbranche.
Larissa Kaiser, Junior Communication Consultant bei dentsu austria
(Quelle: cemera-photography.com)
Ein Leitsatz auf der Website von dentsu austria ist „people are longing for humanity, for real connection“, wie siehst du als Junior Consultant die Möglichkeiten, diesen mit einer voranschreitenden Digitalisierung zu verknüpfen? Ist das nicht in sich schon ein Widerspruch?
Larissa Kaiser: Ich finde, dass gerade Zeiten wie Corona mit Lockdowns etc. gezeigt haben, dass man auch über digitale Medien sehr viel connecten kann. Was aber fehlt, ist natürlich dieses Menschliche. Vor allem das ist in Corona-Zeiten ja leider verloren gegangen. Natürlich hat man mit den neuesten Technologien wahnsinnig viele Möglichkeiten, aber dieser zwischenmenschliche Kontakt, dieses „human being“ fehlt schon auch und kann nie wirklich ersetzt werden. Ich glaube auch, dass wenn man jetzt zum Beispiel in die Richtung von Robotern denkt oder von „artificial intelligence“ – da kann man schon sehr weit gehen und das kann, glaube ich, schon auch sehr menschlich werden. Aber ich glaube dennoch, dass das nicht in den nächsten fünf bis zehn Jahren passieren wird, da das am Anfang für die Menschen auch sehr befremdlich sein könnte.
Wie siehst du das Social Media-Potenzial, sowohl in Richtung Marketing, aber auch in Richtung des zwischenmenschlichen Daseins?
Kaiser: Social Media ist ja ein bisschen ein zweischneidiges Schwert. Man hat bei Social Media natürlich den Faktor, dass man mit Leuten in Kontakt treten und neue Leute auf der ganzen Welt kennen lernen kann und das find ich sehr schön und auch sehr wichtig. Was du natürlich bei Social Media auch hast, ist, dass man sehr abhängig davon werden kann, erstens und zweitens, dass einfach die Selbstkritik sehr viel größer wird. Ich glaube schon, dass das auch gefährlich ist und das auch von den jüngeren Generationen gelernt werden muss. Dass soziale Medien aber wichtig sind, das sieht man durchaus. Auch aus der Marketing-Perspektive ist Social Media einfach derzeit die Plattform, wo man am meisten Interaktionen schaffen kann, wo man mit den KonsumentInnen wirklich in Kontakt treten kann, wo man sie nach ihrer Meinung fragen kann und sich dadurch auch als Marke menschlicher positionieren kann. Eine große internationale Marke wirkt schnell unantastbar und kann sich durch Social Media wesentlich menschlicher positionieren und dadurch auch mehr diesen emotionalen Kontext schaffen.
In der Publikation über Consumer Trends 2030 hat dentsu vier große Trendkategorien genannt und zwar universal acitivism, synthetic society, the human dividend und bigger, bolder brands. Wie stehst du diesen Trends gegenüber und wie würdest du diese einfach kurz umreißen?
Kaiser: Ich finde alle vier Trends sehr gerechtfertigt. 'Universal activism' steht vor allem dafür, sich selbst für seine eigenen Rechte aber auch die der anderen einzusetzen - seien das jetzt Genderthemen, oder auch der Klimawandel. 'Synthetic society' bezieht sich eher auf diese ganzen technologischen Entwicklungen, zum Beispiel sich einen Chip einsetzen zu lassen und dadurch auch aus gesundheitlicher Sicht zu profitieren. 'Bigger, bolder brands' steht für mich dafür, die Bedeutung von Marken hervorzuheben und nicht nur ein Unternehmen zu sein, nicht nur ein Produkt zu sein, sondern sich auch wirklich für gesellschaftlich relevante Themen einzusetzen und ich glaube, das sieht man derzeit auch schon sehr stark. Während Corona zum Beispiel sah man gut, was Marken alles auf die Beine gestellt haben, um auch präsent zu sein und den Leuten irgendwie ein bisschen Hilfestellung zu bieten. Der vierte Trend, also 'human dividend', ist etwas, was meiner Meinung nach durch Corona etwas verloren gegangen ist und jetzt natürlich stärker zurückkommt, nehme man auch zum Beispiel Robotisierung. Es wird immer wichtiger, was Menschen leisten können und die menschliche Leistung wird größer und besser und dadurch auch teurer. Das sind alles Themen, die uns als Gesellschaft in der Zukunft beschäftigen werden. Egal ob das jetzt Klimawandel ist, oder eben artificial intelligence, wie weit das ganze gehen kann, aber auch in wie weit Marken zur Entwicklung dieser Trends beitragen, wird man sehen.
Würdest du sagen, dass diese Trends deine, oder eure berufliche Tätigkeit schon sehr beeinflussen, beziehungsweise eure Mediastrategien? Wie geht ihr mit diesen Trends um?
Kaiser:  Klimawandel ist bei uns in der Mediabranche ein großes Thema, weil natürlich mit jedem Plakat, mit jedem TV Werbespot, mit jedem Social Media Post, CO2 produziert wird. Das fängt bei der Produktion von den Sujets an, geht über die Anlieferung, geht über die Emails, die wir dazu schreiben, bis zur Ausstrahlung. Schritt für Schritt wird alles CO2-neutral werden und im Zuge dessen muss man natürlich auch Zulieferer, Produzenten und Partner bewusst danach auswählen, wie sie in diesem Zusammenhang agieren. Das wird in Zukunft sehr groß werden. Das Thema bigger bolder brands ist auch ein Thema, was uns natürlich sehr beschäftigt. Dass es Marken gibt, die wirklich auch Inhalte bieten, die die Leute beschäftigen - um eben dann eine bigger bolder brand zu sein. Ich glaube, dass es in Zukunft auch immer mehr auf die Inhalte und vor allem die Relevanz ankommen wird und wir aus Mediasicht da natürlich auch Firmen helfen können und sie beraten, welche Themen denn für die Gesellschaft wichtig und von Relevanz sind und auf welche Themen sie setzen können. Marken sollten für die Menschen relevant sein und an ihrer Seite stehen um sie in sämtlichen Lebenslagen zu unterstützen.
Abschließend: Wie ist deine persönliche Prognose hinsichtlich der Frage digitale versus menschliche Kommunikation? Welche Stärken kann nicht-digitale Markenkommunikation noch bieten?
Kaiser: Schwierige Frage. Ich würde sagen, dass digitale Kommunikation immer wichtiger wird, aber ich glaube, dass man in Zukunft weniger von einzelnen Channels beziehungsweise Plattformen sprechen wird, sondern mehr von Content und Formaten. Ob das jetzt Bewegtbild ist, ein Advertorial, oder ein Social Media Post. Die Menschen nutzen immer mehr digitale Devices und das auch immer häufiger, egal in welcher Altersklasse. Deswegen glaube ich, dass digitale Kommunikation auf jeden Fall noch größer wird, aber dennoch das menschliche auch nicht an Bedeutung verlieren wird. Und genau diesen zwischenmenschlichen Aspekt muss man natürlich auch in der Kommunikation aufgreifen, mit der Zielgruppe interagieren, um dadurch zumindest ein bisschen das Menschliche ins Digitale zu bringen.
Internet World Austria berichtete in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Marketing und Kommunikation der FH St. Pölten. Dieses Interview wurde im Zuge der Kooperation von Lea Neuner und Nina Renneiß geführt.



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