Alexandra Vetrovsky, iab 14.05.2019, 09:05 Uhr

„Die DSGVO hat die Innovationskraft und Wertschöpfungskraft reduziert.“

Am 25. Mai 2018 ist die EU-DSGVO in Kraft getreten. Im Interview berichtet Alexandra Vetrovsky-Brychta, Vizepräsidentin des iab austria und Geschäftsführerin von Bisnode D&B Austria, wie sich die EU-DSGVO auf die österreichische Digitalwirtschaft ausgewirkt hat.
Alexandra Vetrovsky-Brychta, Vizepräsidentin iab austria: "An den Anforderungen der DSGVO hat sich nichts geändert, daher sind diese umzusetzen. Ich kann jedem Unternehmen raten, noch etwaige offene Lücken im DSGVO-Prozess zu schließen."
(Quelle: Bisnode D&B Austria)
Die EU-DSGVO ist vor einem Jahr, am 25. Mai 2018 in Kraft getreten. Wie fällt Ihre ganz persönliche Bilanz nach einem Jahr DSGVO aus?
Alexandra Vetrovsky-Brychta: Die Medaille hat zwei Seiten – einerseits ist die große Abmahnwelle oder auch Verurteilungswelle ausgeblieben, obwohl die Anzahl an Beschwerden bei der Datenschutzbehörde deutlich zugenommen hat. Andererseits haben wir sehr wohl bemerkt, dass die DSGVO die Innovationskraft und Wertschöpfungskraft in Österreich reduziert hat. Wir haben im Herbst 2018 die iab-Mitglieder zum Thema DSGVO befragt. Dabei ist herausgekommen, dass es durch die Einführung der DSGVO zu Budgetverlusten oder -verschiebungen gekommen ist. Daher ist die Bilanz ausgeglichen. Was ich jedoch als positiven Effekt wahrnehme ist, dass der Datenschutz, der in Österreich immer schon sehr stark geregelt war, nun europaweit eine verstärkte Aufmerksamkeit bekommen hat. Die meisten Unternehmen beschäftigen sich damit, wie man den Kunden Transparenz und Mehrwert über die Datennutzung aufzeigen kann. Dies zahlt sehr positiv auf die Bilanz ein, da Daten der Grundstoff der Digitalisierung sind und deren Verarbeitung auf Akzeptanz bei den Usern stoßen muss.
Konkret: Wie viele Verstöße gegen die EU-DSGVO hat es innerhalb des vergangenen Jahres in Österreich gegeben? 
Alexandra Vetrovsky-Brychta: Mir sind fünf Strafen bekannt, die die Datenschutzbehörde in Österreich seit dem Inkrafttreten der DSGVO verhängt hat. Alle fünf Fälle hatten meines Wissens nach mit Videoüberwachung zu tun.
Und wie hoch waren die verordneten Strafen?
Alexandra Vetrovsky-Brychta: Soweit ich die Informationen parat habe, war die höchste Strafe knapp 5.000 Euro.
Wie hat sich die EU-DSGVO aus Ihrer Sicht auf die Entwicklung der Werbeausgaben ausgewirkt: Wurde weniger Geld für Werbung ausgegeben, weil viel Geld in die Vorbereitungen auf die DSGVO investiert wurde?
Alexandra Vetrovsky-Brychta: Laut der iab-Studie, die wir im Herbst 2018 unter den iab-Mitgliedern durchgeführt haben, ist es zu einem Rückgang der Werbe-Spendings gekommen. Mehr als 36 Prozent der Befragten gaben an, Online-Werbebudgets eingespart zu haben. Und rund 51 Prozent sind der Meinung, dass dieser negative Trend weiter anhalten wird – wie uns die jüngsten Entwicklungen des Werbemarktes auch zeigen.
Was können Unternehmen tun, um jetzt noch DSGVO-fit zu werden?
Alexandra Vetrovsky-Brychta: Ganz einfach: Alles was sie bis jetzt nicht getan haben. An den Anforderungen der DSGVO hat sich nichts geändert, daher sind diese umzusetzen. Ich kann jedem Unternehmen raten, noch etwaige offene Lücken im DSGVO-Prozess zu schließen.
Nach der DSGVO-Einführung ist vor der Einführung der ePrivacy-Verordnung: Wie ist da der Stand der Dinge und wann rechnen Sie mit deren Einführung und vor allem in welcher Form?
Alexandra Vetrovsky-Brychta: Die ePrivacy-Verordnung ist in der Tat das nächste Damoklesschwert, das über der Digitalbranche hängt. Da es noch einige Themen zu klären gibt, wird die ePrivacy-Verordnung nach wie vor inhaltlich im Rat diskutiert. Das iab austria ist weiterhin eng in Abstimmung mit politischen Stakeholdern und europäischen Schwesterverbänden, um hier für eine wirtschaftsfreundliche und user-transparente Lösung zu sorgen. Allerdings sehen wir gerade, dass die Digital Giants – allen voran Google und Microsoft – drauf und dran sind, die ePrivacy-Verordnung in der Praxis umzusetzen. Beide Unternehmen haben Anfang Mai bekannt gegeben, dass sie den Usern über ihre Browser mehr Transparenz und Auswahlmöglichkeiten für den Umgang mit third party cookies geben werden. Wenn dies so umgesetzt wird, dann wäre die werbetreibende Wirtschaft massiv betroffen, da sämtliche Auslieferungs- und Trackingtechnologie auf third party cookies basieren und man dann nicht einmal mehr messen kann, ob Werbung überhaupt korrekt ausgespielt wurde oder Betrug entstanden ist. Ebenso würde jegliche Reichweitenmessung unmöglich werden. Das iab ist nun dabei in einen Dialog mit allen Stakeholdern zu treten.


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