Das erste Jahr 29.03.2019, 09:00 Uhr

EU-DSGVO: iab austria zieht Bilanz

Der iab autria diskutierte am 28. März 2019 die Auswirkungen, die knapp ein Jahr EU-DSGVO mit sich gebracht haben. Unternehmen haben ihre digitalen Aktivitäten bereits eingeschränkt. Die drohende ePrivacy-Verordnung könnte das Online-Budget massiv verringern.
Die drohende ePrivacy-Verordnung stellt eine weitere Gefahr für die Digitalwirtschaft dar und könnte in Kombination mit der DSGVO die Online-Budgets bis zu 70 Prozent verringern.
Am Foto: Eckart Holzinger (e-Dialog), Alexandra Vetrovsky-Brychta (Vizepräsidentin iab austria), Cosima Serban (e-Dialog), Isabell Lichtenstrasser (Juristin), Philipp Haubner (LAOLA1).
(Quelle: iab austria)
Am 28. März 2019 hat das international advertising bureau (iab) austria als größte Interessensvertretung der Digitalwirtschaft, bei einem Impuls-Event im weXelerate Innovation Hub, eine erste Bilanz bezüglich der EU-Datenschutzgrundverordnung gezogen.
„Österreich war durch das bestehende hohe Datenschutzniveau und die iab-austria-Standards gut vorbereitet. Vieles der Schwarzmalerei ist nicht eingetreten: Die Befürchtung, einer Flut an Beschwerden und Abmahnungen nicht Herr zu werden, war unbegründet. Allerdings hat der mit der Datenschutzgrundverordnung verbundene Aufwand die Unternehmen in ihren digitalen Aktivitäten stark getroffen“, fasst iab-austria-Vizepräsidentin Alexandra Vetrovsky-Brychta (Bisnode) zusammen.

Auswirkungen auf Online-Budget

Aus einer aktuellen Umfrage des iab austria und MindTake geht hervor, dass knapp die Hälfte der befragten Unternehmen bereits ein Monat nach der Einführung der DSGVO ihre digitalen Aktivitäten eingeschränkt haben. 60 Prozent der Befragten sind sogar der Meinung, dass sich die DSGVO „sehr negativ“ oder „negativ“ auf die Werbebudgets und Digitalumsätze ausgewirkt hat. 51 Prozent gehen davon aus, dass diese Entwicklung weiter anhalten wird. Die drohende ePrivacy-Verordnung stellt eine weitere Gefahr für die Digitalwirtschaft dar und könnte in Kombination mit der DSGVO die Online-Budgets bis zu 70 Prozent verringern.

Juristsische Aspekte und die DSGVO in der Praxis

Laut der Juristin Isabell Lichtenstrasser hat es bisher kaum Klagen und Urteile in Zusammenhang mit der DSGVO gegeben. Problematisch sind die zahlreichen Auflagen für Einwilligungserklärungen, die sich aufgrund der Gesetzeslage kaum konsumentenfreundlich gestalten lassen. Auch die Zustimmungserklärung für Cookies zu gestalten, ist besonders aufwändig für Unternehmen.
Vorangekreuzte Felder wie Google sie verwendet hat sind nicht zulässig, da sie der Willensbekundung der User widersprechen. So wurde der Alphabet-Tochter Google eine Strafe von 50 Millionen Euro verhängt. In Deutschland wurde dem Betreiber einer Facebook-Fanpage eine Mitverantwortung für die DSGVO durch das soziale Netzwerk zugesprochen, da er über Facebook Insights Informationen über das Nutzerverhalten der User erhält. An diesem Beispiel wird die Problematik der DSGVO deutlich. Lichtenstrasser spricht von einer bestehenden Rechtsunsicherheit, da die drohenden hohen Geldstrafen Unternehmen massiv verunsichern.
„Vor Inkrafttreten der EU-Datenschutzgrundverordnung herrschte große Unsicherheit am gesamten Markt“, berichtet auch Philipp Haubner von LAOLA1. Der Umgang mit WhatsApp-Services und Chatbots auf Facebook ist nach dem in Kraft treten der DSGVO für Unternehmen eine besondere Herausforderung geworden. Als Vorteil der DSGVO führt er an, dass beispielsweise die Newsletter-Öffnung durch die Datenbereinigung gestiegen ist.


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