New Work 18.09.2020, 10:00 Uhr

Die Bullshit-Jobs sind am Ende: So verändert Corona die Arbeitswelt

Was kommt, was bleibt, was verändert sich? Die aktuellen Entwicklungen der Arbeitswelt werden laufend im Rahmen der digitalen New Work Experience Formatreihe NWXnow diskutiert. NWXnow präsentiert sieben Trends & Thesen, wie Corona die Arbeitswelt neu formt.
NWXnow präsentiert die sieben wichtigsten Trends und Thesen in einem Thesenpapier und stellt die Frage, wie nachhaltig die aktuellen Entwicklungen die Arbeitswelt verändern werden.
(Quelle: Pixabay )
Ausgelöst durch die Corona-Pandemie haben Millionen von Berufstätigen einen radikalen Wandel ihres Arbeitsalltags erlebt. Unternehmen, sowie Arbeitnehmer erfuhren einen Crashkurs in Sachen Digitalisierung und nahmen am Feldversuch „New Work“ teil, der das Potenzial hat, die Arbeitswelt nachhaltig zu verändern. Die aktuellen Entwicklungen werden laufend im Rahmen der digitalen New Work Experience Formatreihe NWXnow diskutiert. Dazu sprechen die Moderatoren des NWXnow Videocasts, Marc-Sven Kopka und Astrid Maier, regelmäßig mit Experten, Vordenkern und Praktikern, wie unter anderem Frédéric Laloux, Miriam Meckel, Stephan Grünewald, Julia Klier – und New Work-Begründer Frithjof Bergmann. Auf Basis dieser Gespräche und Meinungen präsentiert die NWXnow die sieben wichtigsten Trends und Thesen nun in einem Thesenpapier und stellt die Frage, wie nachhaltig die aktuellen Entwicklungen die Arbeitswelt verändern werden:

#1: Die Bullshit-Jobs sind am Ende

Ein Viertel der Arbeitskräfte in Industrieländern sieht keinen Sinn in ihrer Arbeit – sie halten ihren eigenen Job für bedeutungslos. Doch Menschen wollen nicht mehr in der Bedeutungslosigkeit arbeiten, sie wollen sich ausdrücken und entfalten. Viele haben den Stillstand der Krise genutzt, um innezuhalten, um ihre Arbeitswelt zu hinterfragen, um sich ihrer Wünsche bewusst zu werden, um die Atempause kreativ zu nutzen und um schlussendlich Einiges zu ändern. Es gibt ein starkes Verlangen nach Neuem, die Arbeitswelt ist mitten in einem großen Wandel, was aber auch bedeutet, dass sich die Bildung mit dem Neuen Arbeiten auseinandersetzen muss. Die Sinnfrage treibt nicht nur die Generation Y an, sondern stellt auch Führungskräfte vor neue Herausforderungen – Hierarchien und finanzielle Anreize weichen intrinsischer Motivation. Denn Arbeit muss Sinn machen und einen Wert für die Gesellschaft haben.

#2: Das Büro ist wo Du bist

Wir leben und arbeiten hybrid: konzentriertes und produktives Arbeiten im Homeoffice, soziale Kontakte und persönlicher Austausch am Arbeitsplatz. Die bessere Verteilung zwischen kurzfristigen, oft unterbrochenen Arbeitsphasen und vertiefenden, konzentrierten Arbeitsphasen macht uns und unseren Arbeitsalltag schöpferischer und leistungsfähiger. Dadurch haben Effektivität und Produktivität in der Krise durch Selbstbestimmtheit eine neue Bedeutung erlangt. Durch die gesteigerte Produktivität wird auch Arbeitszeit neu definiert.

#3: Krise ist die Chance zur Re-Qualifizierung

30 Prozent der arbeitenden Bevölkerung in Deutschland braucht neue Kompetenzen. Die gute Nachricht: Die Pandemie ist der Katalysator zur Re-Qualifizierung. In der Krise wurden die Notwendigkeit, aber vor allem das Interesse an neuen Qualifikationen und Kompetenzen erkannt. Aus dem, was Menschen gerne und aus Interesse tun, entstehen neue Fähigkeiten, die für das Neue Arbeiten wichtig wie nützlich sind, wie Adaptionsfähigkeit, agiles Arbeiten, aber auch emotionale und soziale Fähigkeiten bekommen mehr Bedeutung. Die durch die Krise beschleunigte Digitalisierung lässt neue Zukunftskompetenzen entstehen.

#4 Arbeit: Hier darf ich sein, wie ich bin

Die emotionale, zwischenmenschliche Interaktion gewinnt – vor allem vor dem Hintergrund des technologisierten und digitalen Tempos – an Bedeutung. Die Corona-Pandemie rückt die Werte-Diskussion in den Vordergrund. Ethik, Fairness und das tiefere Bedürfnis nach Begegnung sind zentral in der neuen Arbeitswelt. Menschen sind nicht mehr Teil eines Systems, in dem sie Rollen spielen, sondern erfahren Wertschätzung als Individuen. Effizienz hat zwar ihren Platz, aber ebenso das tiefgehende Gespräch. Der Mensch bzw. das Menschliche ist das Maß aller Dinge einer modernen Arbeitswelt.

#5: Kollaboration als menschliche Superkraft

Zusammenarbeit und Kollaboration sind die Erfolgsfaktoren der Zukunft. Die Ära der Selbstsucht und des Wettbewerbs ist vorbei und wird von der Ära der Kooperation abgelöst. Augenhöhe und Vertrauen schaffen Zusammenhalt und Zugehörigkeit – unter Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern genauso wie zwischen Unternehmen und Angestellten. Teams rücken näher zusammen und teilen ihr Wissen – unabhängig von Zeit und Ort – das sorgt für mehr Kreativität, Innovation und Unternehmenserfolg. Kollaboration gilt daher als menschliche Superkraft, die für eine neue Arbeitswelt essentiell ist.

#6: Digital, volatil, agil: Organisation reloaded

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass Vieles möglich wurde, was davor als unmöglich galt. Und dieses „New Normal“ wird bleiben: Digitalisierung, neue Technologien, flexible Organisationsstrukturen, Agilität. Die Zukunft ist volatil und agil. Die Umbrüche, die uns bevorstehen, betreffen nicht nur Jobs – deren Sinn und Struktur hinterfragt werden – sondern ganze Unternehmen. Es liegt nun an den Unternehmen, eine DNA aufzubauen, in der diese Veränderungen Platz haben und selbstverständlich sind. Dazu werden Unternehmen neue Unternehmenskonzepte und -strukturen sowie Arbeitssysteme kreieren müssen. Die Arbeitswelt steht an der Schwelle zu grundlegenden Veränderungen, bei denen es nicht um Tools oder Homeoffice, sondern um einen Struktur- und Systemwandel der Arbeitswelt geht.

#7: New Leadership: Inspiration statt Kontrolle

Führungskräfte sind die Motivatoren ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich selbst kontrollieren und disziplinieren. Remote Work heißt Remote Führung mit Inspiration. Aufgabe der Führungskräfte ist es, Nähe trotz Distanz sowie gute Mitarbeitererfahrungen zu schaffen, um die besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu bekommen, zu halten und zu inspirieren. Führungskräfte werden vermehrt die Jobs ihrer Angestellten hinterfragen, Strukturen analysieren und aufbauen, die Jobs beinhalten, die Sinn und Freude machen. Dann sind die Menschen von selbst motiviert, denn es gibt ein tiefes Bedürfnis nach Sinn.
„Nachhaltige Veränderungen werden durch Krisen oftmals überhaupt erst möglich. Wir befinden uns an einem Wendepunkt und erleben einen echten Struktur- und Paradigmenwandel, allerdings stehen wir erst am Anfang dieser Veränderungen. Welche Auswirkungen dieser auf die Arbeitswelt hat, können wir nicht final beantworten – das bedeutet, dass sich auch die Trends und Thesen weiterentwickeln werden“, so Marc-Sven Kopka, VP External Affairs der New Work SE.
Hier geht's zum Thesenpapier.


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