Felix Ohswald, GoStudent 06.04.2021, 08:00 Uhr

„Bis Ende 2021 wollen wir Top-of-Mind-Marke in Europa in Online-Nachhilfe sein.“

Felix Ohswald gibt im Interview spannende Einblicke, wie er mit seinem GoStudent-Team in kurzer Zeit europaweit zur Nummer 1 im Online-Nachhilfebereich wurde, welche Investoren bis jetzt an Bord sind und ob die Corona-Krise förderlich für das Start-up war oder nicht.
Felix Ohswald, Co-Founder und CEO von GoStudent, verrät, dass GoStudent derzeit bereits in zehn europäischen Märkten mit mehr als 350 Mitarbeitenden aktiv ist – Tendenz steigend.“
(Quelle: GoStudent)
Herr Ohswald, Sie sind Co-Founder der Online-Nachhilfe-Plattform GoStudent. 2016 gegründet, gelang es sich innerhalb kürzester Zeit zur Nummer Eins in Sachen digitaler Nachhilfe zu etablieren. Wie ist Ihnen das gelungen?
Felix Ohswald: Mit der Gründung von GoStudent im Jahr 2016 verfolgten Gregor Müller, COO und Co-Gründer von GoStudent, und ich das Ziel, ein globales und fundamentales Problem im Bildungsbereich zu lösen: Den Zugang zu Top-Unterricht von Weltklasse-Lehrerenden. Was damals mit einem Gratis-Hausaufgaben-Chat startete, ist heute der Marktführer für Online-Nachhilfe in Europa. Die ersten drei Jahre nach der Gründung haben wir viel ausprobiert, viele leere Kilometer gemacht und schließlich im Jahr 2019 unser Business Model gefunden. Seitdem bieten wir privaten Einzelunterricht via Online-Video-Chat auf Basis von Mitgliedschaften an. 
Und wofür steht GoStudent in wenigen Worten?
Ohswald: GoStudent baut die globale Schule Nummer Eins. Wir bringen Schüler mit idealen Lehrerinnen zusammen und unterstützen dabei, langfristige Lernziele zu erreichen. Schließlich wollen wir, dass jedes Kind auf der Welt sein volles Potenzial entfalten kann  für eine selbstbestimmte Zukunft. 
In welchen Ländern ist GoStudent mittlerweile aktiv?
Ohswald: GoStudent ist bereits in über zehn Märkten Europas aktiv. Mit Headoffice in Wien, sind wir im vergangenen Jahr über den DACH-Markt hinaus gewachsen und haben Märkte wie Spanien, Frankreich, UK und Irland sowie Italien erschlossen. Wir stehen kurz vor dem Launch von Griechenland, der Türkei, den Niederlanden und Russland. 
Wie viele Mitarbeitende beschäftigen Sie zurzeit?
Ohswald: GoStudent beschäftigt aktuell +350 Mitarbeitende an unseren sieben Standorten, darunter London, Berlin, Madrid und Lyon. Wir beschäftigen aktuell +2.500 Tutoren. Bis Ende des Jahres wird das GoStudent-Team über 800 festangestellte Mitarbeitende und über 10.000 Tutorinnen zählen. 
Welche Investoren haben Sie mit an Bord?
Ohswald: Das erste Vertrauen in Form eines Millioneninvestments erhielten wir im Jahr 2018 vom österreichischen Investor Speedinvest. Im Jahr 2020 konnten wir in der Serie-A-Runde die Investoren DN Capital aus London und Left Lane Capital aus New York mit einem Funding von 13,3 Millionen Euro gewinnen. Erst Ende März 2021 erhielten wir in der Serie B ein Investment von 70 Millionen Euro. Dafür holten wir mit Coatue aus New York einen weiteren, erfahrenen Investor (u.a. Spotify und Snapchat) mit an Bord. 
Vor einigen Jahren hatten Sie einen erfolgreichen TV-Auftritt bei der Start-up Show „2 Minuten, 2 Millionen“. War dieser Auftritt einer der zentralen Meilensteine?
Ohswald: GoStudent im Format „2 Minuten, 2 Millionen“ zu präsentieren, war für uns ein aufregender Moment und gleichzeitig wichtiger Meilenstein! Kurz nach der Ausstrahlung waren wir mit einem verbesserten Online-Auftritt sowie unserem neuen Geschäftsmodell live. Das Start-up-TV-Format hat GoStudent in Österreich einen ordentlichen Aufmerksamkeits-Push geliefert, kurz danach schalteten wir auch unsere ersten Fernseh-Kampagnen und konnten unseren Kundenstamm aufbauen. Noch heute ist die Präsenz bei „2 Minuten, 2 Millionen” für die Rekrutierung neuer Mitarbeiter hilfreich. 
Aktuell haben Sie sich ein weiteres Millionen-Investment – um genau zu sein 70 Millionen Euro – gesichert. Welche weiteren Schritte sind nun geplant? Wie werden diese 70 Millionen Euro investiert?
Ohswald: Das Investment von 70 Millionen war der absolute Vertrauensbeweis, dass GoStudent auf dem richtigen Weg ist, ein starker, internationaler Player im Bereich Online-Bildung zu werden. 2021 steht ganz im Zeichen der Eroberung Europas. Wir werden unseren Expansionskurs weiter vorantreiben, das Team massiv ausbauen und in den Aufbau unserer Markenbekanntheit investieren. Schließlich wollen wir bis Ende des Jahres die Top-of-Mind Marke in Europa im Bereich Online-Nachhilfe sein. 
Obwohl die Weltwirtschaft Corona-bedingt zurzeit zittert, läuft es für GoStudent besser denn je – insbesondere in Zeiten von Home Schooling und Co. Hatten Sie auch das Momentum auf Ihrer Seite?
Ohswald: Ja und Nein. Interessant war es zu beobachten, wie sich die Akzeptanz nach Online-Bildungsangeboten innerhalb des letzten Jahres verändert hat. Im Frühjahr 2020 haben noch rund 30 Prozent der Eltern unsere Service abgelehnt, alleine aus dem Grund, dass es online angeboten wurde. Heute liegt dieser Wert bei nur noch drei Prozent. Als die Pandemie ausbrach und Schulen geschlossen waren, hatten Eltern ganz andere Probleme, als Nachhilfe für ihre Kinder zu suchen. Das Suchvolumen nach Nachhilfelehrenden im Internet brach komplett ein und wir mussten unsere Strategie von heute auf morgen komplett umstellen. Gott sei Dank ist das bei agilen und flexiblen Start-ups, wie wir es sind, schnell umsetzbar. Wir haben uns fortan als starker Verbündeter der Eltern positioniert, dessen Wohnzimmer plötzlich Klassenzimmer und Büro wurde - um sie beim Home Schooling so gut wie möglich zu entlasten. Jetzt – über ein Jahr nach dem Ausbruch der Pandemie – sehen wir es als unsere zentrale Aufgabe, den Bildungsverlust der Corona-Generation, verursacht durch monatelange Schulschließungen und mangelhaftem Home Schooling, zu bekämpfen. Und abschließend: Ich glaube, dass GoStudent noch schneller hätte wachsen können, wäre uns die Covid-19-Krise nicht dazwischen gekommen. 
Ihre Dienstleistung beruht auf einem digitalen Service, nämlich Online-Nachhilfe. Welche Phantasien haben Sie bezüglich ähnlich gelagerter Dienstleistungen? Oder wollen Sie sich voll und ganz auf Ihren angestammten Bereich konzentrieren?
Ohswald: Wir wollen die Nummer 1 globale Schule bauen - das ist unsere klare Mission. Im synchronen Online-Bildungsbereich gibt es noch ordentlich Potenzial am internationalen Markt auszuschöpfen. Grundsätzlich sind wir nicht abgeneigt, künftig auch Bildungsangebote im pre-schulischen Bereich oder für Studierende anzubieten. Fix ist nix. Was ich aber mit Sicherheit sagen kann ist, dass GoStudent weiterhin alles dafür tun wird, um Bildung – so wie wir sie heute kennen – nachhaltig zu revolutionieren.



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