Andreas Janzek, Kleine Zeitung 02.12.2021, 08:00 Uhr

„Print sei seit zehn Jahren tot, aber oft heißt es, Totgesagte leben länger.“

Andreas Janzek, Leitung des Werbemarkts National bei der "Kleine Zeitung", gewährt im Interview Einblicke in den österreichischen Zeitungsmarkt und dessen Zukunft in einer zunehmend digitalen Welt.
Andreas Janzek, Leitung des Werbemarkts National bei der Kleinen Zeitung: „Ein Ende der gedruckten Zeitung wird es in näherer Zukunft nicht geben.“
(Quelle: KLZ/Aufreiter Andreas Janzek)
Herr Janzek, wie hat sich die Digitalisierung bei der "Kleine Zeitung" spürbar gemacht?
Andreas Janzek: Die "Kleine Zeitung" hat seit 1995 einen Online-Auftritt. Wir waren und sind einer der wenigen Verlage, die hier von Anfang an den digitalen Bereich mitverkauft haben. Durch diesen Wandel wird auch in der Berichterstattung eine viel aktuellere Aufklärung benötigt, was wiederum eine gewisse Flexibilität gegenüber den Anzeigekunden erfordert.
Inwiefern zeigt sich dieser digitale Wandel auch bei den Werbegesamtspendings der "Kleinen Zeitung"?
Janzek: Wir haben rund 47 Millionen Erlös vom Werbemarkt und davon sind rund neun Millionen aus dem Digitalbereich. Also auf jeden Fall erwähnenswert. 60 Prozent der Erlöse machen wir über den Vertrieb, das heißt über die Abonnements, bei denen wir im Bereich des E-Papers Nummer eins sind.
Wie hat die Corona-Pandemie diese Zahlen beeinflusst?
Janzek: Eines haben wir nicht gehabt: Wir hatten keinen Tag Unterbrechung bei der Zustellung. Also gab es nicht die Notwendigkeit für ein E-Paper. Trotzdem hatten wir in der ersten Welle generell digital höhere Zugriffe. Einen Corona-Effekt haben wir jedoch mittelfristig nicht in den Zahlen gemerkt.
Im Zuge der vergangenen zwei Jahren entdeckten viele Nachrichtenverlage die Sozialen Medien für sich. Verfolgt diese Strategie, so eine jüngere Zielgruppe zu erreichen, auch die "Kleine Zeitung"?
Janzek: Wir nutzen soziale Plattformen, um auf Geschichten der "Kleinen Zeitung" hinzuweisen, aber das große Geld macht man nicht mit jungen Menschen. Viele glauben beispielsweise, dass E-Paper eine sehr junge Zielgruppe ansprechen. Ihre Lebensinteressen sind ganz anders, weshalb die Chance, sie zu einem Abo zu bewegen, sehr gering sind.
Welche Strategie verfolgt die "Kleine Zeitung" stattdessen?
Janzek: Wir haben eine ganz klare Wachstumsstrategie im Digitalbereich. Unser Ziel ist es eventuell, das eine oder andere neue digitale Produkt zu erfinden und einzuführen. Des Weiteren möchten wir Werbeformen und Kooperationsmöglichkeiten ausbauen. Zusammen mit Barbara Haas, ehemalige Chefredakteurin der "Wienerin", soll vor allem der digitale Bereich mit Podcasts und Bewegtbild sehr stark erweitert werden. Native Advertising ist sicher auch etwas, was in den kommenden Jahren noch stärker eingesetzt wird.
Das heißt, die "Kleine Zeitung" legt einen starken Fokus auf das Digitale. Bewahrheitet sich somit das Postulat „Print ist tot“?
Janzek: Print sei seit zehn Jahren tot, aber oft heißt es, die Totgesagten leben länger. Die "Kleine Zeitung" macht ein Vielfaches an den Erlösen im Printbereich, die viele digitale Plattformen in Österreich zusammen machen. Wir streben für die nächsten Jahre zwei Drittel gedruckte Auflage, ein Drittel E-Paper an. Es gibt einen stetigen Wechsel Richtung Digital, aber die Überzeugung der Styria ist vorerst, dass es kein Ende der gedruckten Zeitung in näherer Zukunft geben wird.
Internet World Austria berichtete in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Marketing und Kommunikation der FH St. Pölten von der DMEXCO. Dieses Interview wurde im Zuge der Kooperation von Maria-Magdalena Schwarz und Selina Schnitzer geführt.



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