KMU GO DIGITAL 22.07.2021, 08:00 Uhr

Alexandra Singer-Weidinger, Jobaffairs: "Qualifizierte MitarbeiterInnen fehlen."

Alexandra Singer-Weidinger, Managing Director von Jobaffairs, verrät im Interview gemeinsam mit Simon Sorge, Leiter Recruiting Jobaffairs, was die TeilnehmerInnen der Live-Webinar-Konferenz KMU GO DIGITAL von ihrem Vortrag erwarten dürfen.
Simon Sorge, Leiter Recruiting Jobaffairs und Alexandra Singer-Weidinger, Managing Director Jobaffairs
(Quelle: Jobaffairs)
Sie halten bei der dreitägigen Live-Webinar-Konferenz KMU GO DIGITAL einen Vortrag zum Thema Digital Recruiting. Warum ist dieses Thema für KMU Ihrer Meinung nach so wichtig?
Alexandra Singer-Weidinger: Wenn ich mir die Aufträge anschaue, die wir gerade bearbeiten und die Anfragen dazu nehme, die heute hereingekommen sind – ist allen KundInnen in allen Bundesländern eines gemeinsam: Es wird immer schwieriger, geeignete KandidatInnen zu gewinnen. Und ich höre vermehrt, dass eine fristgerechte Auftragsbearbeitung oder gar Wachstum nicht (mehr) möglich ist, weil die entsprechenden qualifizierten MitarbeiterInnen fehlen.
Simon Sorge: Recruiting funktioniert heute – bis auf ganz wenige Ausnahmen – digital. Unternehmen, die ihre digitalen Prozesse nicht professionell aufgesetzt haben und aktuellen Standards nicht entsprechen, werden auf diesem Markt die Verlierer sein – ganz egal, in welcher Branche und welcher Betriebsgröße. Last but not least, haben KMU gegenüber Konzernen immer die Möglichkeit individueller und schneller auf die neue Zielgruppe der Interessierten zu reagieren. Der Hebel Erreichbarkeit erhöht sich signifikant mit der digitalen Ansprache zum Beispiel im Social Media Recruiting, Content ist immer verfügbar und jedes Storytelling im Netz zahlt in die Employer Branding Kassa ein.
Wie nehmen Sie den Status-quo der Digitalisierung in Österreichs KMU wahr – insbesondere in Hinblick auf die Corona-Pandemie, die ja als Digitalisierungstreiber gilt?
Singer-Weidinger: Viele Unternehmen haben die Bedeutung der digitalen Kommunikationskanäle für die Personalbeschaffung nicht erkannt – während z.B. 60 Prozent aller Bewerbungen mittlerweile vom Handy aus abgeschickt werden, sehen wir in unseren Analysen regelmäßig Formulare oder gar Stellenanzeigen, die am Handy nicht gelesen werden können.
Sorge: Diese Beobachtungdeckt sich mit den Aussagen der Studie von Ernst&Young aus dem Jahr 2018 dieser zufolge, messen 75 Prozent der KMU in Österreich (Umsätze unter 30 Millionen Euro) digitalen Technologiennach wie vor keine sehr große Bedeutung bei. Ich denke, dass Covid-19 hier auch den Richtungswechsel beschleunigt hat, um die Alternativen in den Arbeitsprozessen zu erkennen und sinnvoll umzusetzen. Jeder Richtungswechsel in der Technologie beinhaltet jedoch auch eine systemische sowie strukturelle Veränderung. Wir erkennen vor allem im Recruiting, dass unsere KundInnen die interne Aufrüstung, zum Beispiel Schulung der Mitarbeitenden, Ausstattung mit Hardware und das Schaffen von entsprechenden Remote-Arbeitsplätzen, intensiv vorantreiben mussten, parallel dazu werden 
neue Geschäftsfelder erschlossen sowie Auf- bzw. Abbau betrieben. Eine organisatorische und betriebswirtschaftliche Zerreißprobe. Die Digitalisierung ist nach Covid-19 kein unbekanntes Monster mehr, sondern eine Verbündete, für die neuen, meist digitalen Schnittstellen im Personalmarketing ist es ratsam einen „Dolmetsch“ zum Beispiel eine Agentur oder BeraterIn zu engagieren.
Wo gibt es bei der Digitalisierung von KMU aus Ihrer Sicht die größten Hindernisse?
Singer-Weidinger: Ich beschränke mich bewusst auf das Thema Recruiting: Wir beobachten bei unseren KundInnen, dass die Führungskräfte im jeweiligen Unternehmen die Risiken und Kosten für „Stellenbesetzung gelingt nicht“ oder „Stelle falsch besetzt“ unterschätzen und deshalb zu wenig Ressourcen für diese Aufgaben freischaufeln. Auch die Komplexität und das für erfolgreiche Recruiting-Prozesse notwendige Know-how wird immer wieder unterschätzt – gerade in KMU macht das auch der Chef oder die Chefin. In den digitalen Recruiting-Kanälen steht das kleine Unternehmen mit fünf MitarbeiterInnen im direkten Wettbewerb mit den großen Konzernen um KandidatInnen – quasi genau einen Klick entfernt.
Sorge: Im Klartext: Heute bewerben sich Unternehmen bei KandidatInnen – dafür braucht es eine sinnvolle Online-Strategie und das zugehörige Fachwissen und genügend Ressourcen.
Was halten Sie generell von der Idee, ein dreitägiges Weiterbildungsformat in Form von Live-Webinaren zu lancieren?
Singer-Weidinger: Eine hervorragende Idee, das Thema der Digitalisierung maßgeschneidert auf die Bedürfnisse von KMU zu präsentieren bzw. Möglichkeiten und Best Practice vorzustellen. Je mehr Austausch über ähnliche Erfahrungen desto besser und Gott-sei-Dank gibt es mittlerweile wirklich gute Fall-Beispiele und kritische Studien dazu. Gratulation dem Forum Verlag und MOMENTUM Wien zur Initiative und zur professionellen Umsetzung.

KMU GO DIGITAL, die Online-Konferenz zum Trendthema Nummer 1 für KMU – Digitalisierung und digitale Transformation – findet von 20. bis 22. September 2021 jeweils von 16:00 bis 19:00 Uhr statt. Sichern Sie sich jetzt Ihre Teilnahme: www.kmugodigital.com.



Das könnte Sie auch interessieren