Forum Mediaplanung 17.06.2022, 08:00 Uhr

FMP TALK #47: Das Werben um die besten Fachkräfte

Was einen Arbeitsplatz in Zeiten des Arbeitskräftemangels attraktiv macht und wie man MitarbeiterInnen langfristig begeistert, stand im Mittelpunkt des 47. FMP TALK. Impuls-Speaker waren Reinhard Raml (IFES Institut) und Helmut Kammerzelt (FH St. Pölten).
Der FMP Vorstand und die Podiumsgäste des Abends: Helena Luczynski (Frau Text), Vera Steinhäuser (Business Coach & Communication Specialist), Edith Singer (Gewista Werbegesellschaft m.b.H.), Reinhard Raml (IFES Institut), Beatrice Dengler (Ogilvy Wien), Helmut Kammerzelt (FH St. Pölten), Elisabeth Frank (FMP Vorstandsmitglied) und Marco Glöckl (LP Digital)
(Quelle: Katharina Schiffl)
Nicht nur Hotellerie und die Gastronomie suchen händeringend Personal. Auch die Unternehmen der Kommunikationsbranche stehen vor der Herausforderung engagierte Talente an sich zu binden. Auf welche Entwicklungen es dabei ankommt, präsentierte Reinhard Raml in seiner TALK-Keynote. Anhand umfassender Studiendaten wurde deutlich, dass sich der Stellenwert der Arbeit aktuell massiv ändert. Grund dafür ist der erhebliche Anstieg von Zeitdruck und psychischem Stress am Arbeitsmarkt. Der Wunsch nach Veränderung wird lauter. Aktuell wollen über ein Viertel aller Beschäftigten in Österreich ihren Job oder das Unternehmen wechseln. Die gewünschte Lösung, um talentierte Fachkräfte zu halten: Mehr Flexibilität bei Arbeitszeit und Arbeitsort. Laut Raml zeichnen zudem Respekt gegenüber MitarbeiterInnen, ein sicherer Arbeitsplatz und ein solides Grundeinkommen attraktive ArbeitgeberInnen aus.

Studierende stellen Kommunikations-Branche verbesserungswürdiges Zeugnis

Helmut Kammerzelt bestätigte diese Ergebnisse in seinem Vortrag anhand einer Befragung von Studierenden und Absolvent*innen der FH St. Pölten. In der Generation der zukünftigen Media- und Kommunikationstalente spielt Work-Life-Balance eine ganz wesentliche Rolle – etwas, was laut Umfrage vor allem in Media-Agenturen nicht geboten wird. Während der Arbeitsdruck in Agenturen als sehr hoch empfunden wird, bewerten die Befragten das Einstiegsgehalt eher negativ. Insgesamt werden Media-Agenturen vor allem mit den Begriffen „Überstunden“, „All-In-Verträge“, „Stress“ und „Leistungsdruck“ in Verbindung gebracht. Positiv wurde hingegen der hohe Grad an Selbständigkeit und Verantwortung gesehen. Trotzdem: Basierend auf den Erkenntnissen des heutigen Abends, sind die Ergebnisse für die Branche durchaus alarmierend.

Echtes Interesse und Wertschätzung führen zu langfristigen Arbeitsbeziehungen

Was bedeuten diese Informationen und Entwicklungen nun für das Recruiting neuer Talente? Für Edith Singer geht es dabei vor allem um Personalisierung – und zwar nicht nur im direkten Gespräch mit potenziellen MitarbeiterInnen, sondern im gesamten Bewerbungsprozess - auch im Zuge eines „Reverse Mentoring“- Ansatzes. Nur so vermitteln ArbeitgeberInnen von Anfang an Wertschätzung. Etwas, was laut Beatrice Dengler vor allem für die jungen ArbeitnehmerInnen von heute unabdingbar ist. Wer sich nicht wertgeschätzt fühlt, wird sich rasch ein anderes Unternehmen suchen, das es tut.

Was es jetzt braucht: „Reverse Recruiting“

Wie wichtig die individuelle Ansprache in der Personalbeschaffung ist, belegt auch Marco Glöckl. Da Unternehmen aktuell einem Arbeitnehmermarkt gegenüberstehen, müssen sie sich aktiv mit dem Thema „Reverse Recruiting“ befassen. Im Rahmen dessen bewerben sich Unternehmen bei ihren potenziellen MitarbeiterInnen – nicht umgekehrt. Das erfordert ein wesentliches Umdenken im Recruiting Prozess. Auch Helena Luczynski plädiert schließlich für eine neue Haltung in der Branche. Zudem gab sie Einblicke in die „Fair Work Charta“, ein Manifest für eine neue Art der (Zusammen-)Arbeit, an der die Fachgruppe Werbung gemeinsam mit dem Creative Club Austria gerade arbeitet.

Was passiert mit der gewonnenen Zeit und weitere ungeklärte Fragen

Wie aktuell das Thema in der Branche ist, zeigte sich an der regen Teilnahme des TALK-Publikums. Die zahlreichen Wortmeldungen lieferten nicht nur unterschiedliche Sichtweisen, sondern auch mehrere Anknüpfungspunkte für weitere Diskussionen und Überlegungen. So stellt sich beispielsweise die Frage, für was jene Stunden verwendet werden, die aufgrund verkürzter bzw. flexibler Zeitgestaltung in der Arbeit eingespart werden. Wie genau diese Work-Life-Balance aussieht und wofür die Menschen ihre gewonnene Zeit nutzen, muss beim Werben um die besten Talente in Zukunft ebenfalls berücksichtigt werden.



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