JETZT SUMMIT 05.04.2022, 18:00 Uhr

Michael Brandtner: „Das Internet hat die Markenlandschaft völlig verändert!“

Das Internet werde als Medium aus Markensicht komplett unterschätzt, meint der österreichische Marken-Profi Michael Brandtner (Ries Global) beim abschließenden Fireside Chat (früher hieß so etwas Kamingespräch) beim JETZT SUMMIT am 5. April in Wien.
Michael Brandtner (Ries Global) und Elisabeth Oberndorfer (Smart Maguire Content & Commerce) bei ihrem Fireside Chat im Rahmen des JETZT SUMMIT 2022: „Das Internet erlaubt es Marken ganz groß zu werden.“
(Quelle: MOMENTUM Wien)
„Es hat noch nie ein Medium so viele neue Marken hervorgebracht wie das Internet“, analysiert Branding-Spezialist Michael Brandtner (Ries Global) im Gespräch mit der Fachjournalistin Elisabeth Oberndorfer (Smart Maguire Content & Commerce), die einige Jahre aus dem Silicon Valley berichtete. Aus Markensicht werde das Internet völlig unterschätzt, so Brandtner. Er plädiert zum Abschluss des ersten Konferenztages des JETZT SUMMIT dafür, das Internet nicht als ein Medium, sondern als drei Medien zu betrachten. Als Medium für die Präsenz eines Unternehmens (z.B. Website), als interaktives Kommunikationsmedium und als „Basis für neue Marken“. Vor allem der letzte Aspekt würde viel zu kurz kommen, meint der renommierten Markenexperten und Fachbuchautor über Markenführung.

Probleme für große Marken

Das Internet habe die internationale Markenlandschaft teilweise bereits stark verändert und „völlig neue Marken hervorgebracht“, so Brandtner. Er denkt dabei nicht nur an Marken wie Amazon oder ähnliche Digital-Riesen, sondern auch an die zahlreichen Micro-Marken, die „zum großen Problem für die großen Marken werden“. Brandtner zählt zahlreiche Beispiele großer Marken auf, die im Internet keine „Strahlkraft“ entwickeln und andererseits durch kleine, neue Marken herausgefordert werden. Zum Beispiel große Rasierer-Produzenten, die sich plötzlich mit kleinen Anbietern von Abo-Systemen für Einwegrasierer herausgefordert werden. Auch wenn die Riesen als Reaktion auf solche Angebote selbst Online-Angebote einführten, hätten sich diese meist nicht wie erhofft durchgesetzt. „Das Internet kommt den großen Marken nicht entgegen“, weiß Brandtner. Als Beispiel nennt er auch Adidas Running, zum dem sich Runtastic nach der Übernahme durch den Sportartikel-Konzern verwandelt habe. Der Magnetismus einer faszinierenden Marke würde der namenstechnisch erneuerten App fehlen.

Internet als Chance für die Kleinen

Kleine und junge Marken hätten mit dem Internet die Chance bekommen, sich einen globalen Markt zu erobern. Brandtner führt das Beispiel „Alpenkalk“ für einen Marktleader in einer engsten Nische an. Aber ein gutes Beispiel für den Erfolg einer Micro-Marke. Brandtner: „Das Internet erlaubt es Marken ganz groß zu werden.“
Das Internet sei nicht nur das erste globale Medium, sondern auch das erste Medium, das die Möglichkeit der Interaktion ermöglichte. Keine Zeitung, kein Radiosender und auch kein Fernsehsender agierten zuvor global. Die Chancen, die das Internet bietet, konnten nun auch neue und kleine Marken nutzen, um sich Märkte zu erschließen. Das Internet als perfekte Plattform für kreative Ideen und Lösungen.
„Das Internet wird die Markenlandschaft zwar nicht sofort, aber auf lange Sicht komplett verändern“, resümiert Brandtner.
Dieser Artikel wurde von Albert Sachs verfasst. 



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