Xenia Daum, styria digital one 12.10.2020, 08:00 Uhr

„Auf TikTok kann man unglaublich schnell die junge Zielgruppe erreichen.“

Xenia Daum ist seit 2013 Geschäftsführerin von styria digital one und seit 2019 Prokuristin von Styria Content Creation. Im Interview spricht Daum über Werbeschaltungen auf Social Media, die Lernplattform Sapiro und das Erfolgsrezept für Kampagnen.
Xenia Daum, Geschäftsführerin Styria Digital One und Prokuristin bei Styria Content Creation: „Heute gibt es viel mehr Möglichkeiten, um jemanden zu erreichen, aber das macht es auch komplexer.“
(Quelle: sdo/Julia Warnick-Kolar)
Frau Daum, im Portfolio der styria digital one gibt es Portale, die das jüngere Publikum ansprechen, wie zum Beispiel Futter oder Volume. Können Sie sich vorstellen, auch die beliebte Plattform TikTok ins Portfolio aufzunehmen?
Xenia Daum: Im Vergleich zu anderen Ländern kann man in Österreich auf TikTok derzeit erst eingeschränkt werben, beispielsweise mit Kurzvideos im Vollbildmodus, die direkt beim Öffnen der App starten oder mit In-Feed-Video-Ads, die zwischen den Nutzer-Videos eingeblendet werden. Das Self-Service-Buchungstool läuft für Österreich noch nicht, schalten können Unternehmen in Österreich derzeit nur über eine autorisierte Agentur. Wir beschäftigen uns sehr intensiv mit der Plattform. Auf TikTok kann man unglaublich schnell Reichweite in der jungen Zielgruppe aufbauen. Natürlich braucht man die richtigen Botschaften für diese Zielgruppe und Unternehmen müssen schnell und flexibel Videocontent in hoher Qualität produzieren können. Das ist für viele noch eine Herausforderung. Unseren Kunden bieten wir hier deshalb gerne Unterstützung im Bereich Beratung, Konzeption, Kreation sowie Distribution an. Wir verfügen über ein hochspezialisiertes und kreatives Video- und Digital-Team, das hier für die gewünschte Brand Awareness und Kampagnenperformance sorgen kann. Für uns selbst – für das Vermarktungsnetzwerk styria digital one und für die Content Marketing Agentur Styria Content Creation – finden wir auf TikTok wahrscheinlich (noch) nicht das richtige Publikum. Aber für unsere neue Gaming & eSports Unit in der sd one, BEYOND GAMING, kann TikTok durchaus spannend sein.
Facebook hat in den vergangenen Jahren vor allem bei der jüngeren Generation beziehungsweise Zielgruppe an Beliebtheit verloren. Hat Facebook Ihrer Meinung nach noch eine Zukunft?
Xenia Daum: Facebook wird immer mehr auch bei den älteren Generationen beliebt, bei jenen, die nicht Digital-Natives sind. Zur Gründung von Facebook beziehungsweise kurz danach waren die Hauptnutzer Studenten. Die größte Nutzergruppe bilden mit einem Anteil von rund 30 Prozent nunmehr die 25 bis 34-Jährigen. Aber auch immer mehr Senioren nutzen nun Facebook. Instagram, Snapchat und Co. sind den Älteren manchmal zu mühsam. Facebook wird sich sicher noch eine Zeit lang halten, aber es kann auch irgendwann ganz schnell gehen. Entweder wird eine neue Plattform kommen und dann strömen ganz viele dorthin oder Facebook wird sich einmal runderneuern. Vor über zehn Jahren waren im Social-Media-Bereich die führenden Plattformen Studi VZ und Schüler VZ. Dann kam Facebook und VZ war innerhalb von sechs Monaten tot. Alle sind zu Facebook abgezogen und so eine Situation kann wieder passieren.
Was ist Ihrer Meinung nach das Erfolgsrezept für eine gelungene Kampagne?
Xenia Daum: Zuerst muss man wissen, was die Strategie des Unternehmens beziehungsweise der Marke ist. Aus der Strategie leitet man Ziele ab und überlegt sich, was die Aussage einer Kampagne sein soll. Welche Botschaft muss ankommen, um ein gewisses Ziel zu erreichen? Wen will ich erreichen, wo kann ich die Personen erreichen und mit welchen Inhalten funktioniert das am besten? Denn das ist ganz unterschiedlich. Als ich in der Branche begonnen habe, hieß es: Sieben Kontakte führen zum Kauf. Heute gibt es so viel mehr Möglichkeiten, jemanden zu erreichen, aber das macht es auch komplexer. Früher war jeder täglich vor dem Fernseher. Die junge Zielgruppe spricht man so heute nicht mehr an. Genau deswegen ist z.B. der Gaming & eSports Bereich so interessant, weil wir dort jetzt die Jugendlichen erreichen können. 
Seit vergangenem Jahr gibt es für Konzerne und Kleinunternehmen das von Ihnen mitentwickelte digitale Lernmanagementsystem Sapiro. Bei der styria digital one verwenden sie diese Technologie für ihre eigene Digital Academy und benutzen dabei auch ein Belohnungssystem mit einer virtuellen Währung. Welche Arten von Belohnungen kann man sich dabei vorstellen?
Xenia Daum: Wir bilden intern Mitarbeiter mit unserer Digital Academy aus. Sprich, all die Inhalte, die wir benötigen, stellen wir in diese Plattform hinein. Wenn man einen Lerninhalt absolviert, kann man Fragen dazu beantworten. Man kann auch Fragen stellen und sogleich interagieren. Für alles, was man darin tut, bekommt man virtuelle Taler und kann so vom „Newbie“ zum „Expert“ oder sogar „Genius“ aufsteigen. Dieses Belohnungssystem ist sicher auch Anreiz, sich nicht nur Wissen anzueignen. Diese Taler sind eine virtuelle Währung, die man am Jahresende gegen eine Belohnung in Form von Gutscheinen eintauschen kann. 
Die Zukunft entwickelt sich immer mehr in die digitale Welt und oft heißt es heute schon: „Print wird aussterben.“ Wie sehen Sie's konkret: Wird Print aussterben?
Xenia Daum: Also in den nächsten zehn Jahren sicher nicht. Die Printnutzung ist ziemlich zurückgegangen, das stimmt. Die User-Gewohnheiten von jungen Menschen gehen in eine andere Richtung. Aber, recherchierte Stories in der Zeitung nachzulesen, kann durchaus Sinn machen und das wird auch so bleiben. Es ist auch nicht so anstrengend eine Zeitung zu lesen, wie alles auf einem Screen zu betrachten. Print ist schon noch da. Vielleicht nicht in der gleichen Form, wie es immer war, aber Print wird noch bleiben. 
In Kooperation mit dem Studiengang Marketing und Kommunikation der Fachhochschule St. Pölten veröffentlicht Internet World Austria Interviews mit Experten aus der heimischen Marketing-, Werbe-, und Medienszene. Dieses Interview wurde im Zuge der Kooperation von Caroline Maier und Jessica Loh geführt. Das redaktionelle Coaching erfolgte durch die Internetworld.at-Redaktion.


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