SOCOM-Interview 24.11.2020, 08:00 Uhr

"Die Bereitschaft, mehr Geld in Social Media zu investieren, ist vorhanden."

Andreas Mittelmeier ist Social Media Experte sowie Kommunikationsberater und gibt im Interview Ratschläge an Unternehmen und Marken, wie diese Social Media erfolgreich für sich nutzen können und wie es um Social Media Plattformen in Österreich steht.
Andreas Mittelmeier ist Social Media Experte sowie Berater und Vortragender mit Fokus auf digitale Kommunikation. Dabei werden von ihm sowohl B2B- als auch B2C-Kommunikation abgedeckt.
(Quelle: Andreas Mittelmeier)
Herr Mittelmeier, 2020 wird als jenes Jahr in die Geschichte eingehen, in dem die Digitale Transformation in Österreichs Unternehmen Corona-bedingt massiv forciert wurde. Hat dadurch auch die Social-Media-Kommunikation von Unternehmen und Marken an Bedeutung gewonnen?
Andreas Mittelmeier: Diese Frage lässt sich mit einem ganz klaren JA beantworten. Wie in so vielen digitalen Bereichen hat das Mindset auch im Bereich Social-Media-Kommunikation und Marketing in Österreich an Fahrt aufgenommen. Meiner Ansicht und Beobachtung nach ganz stark in Richtung Professionalisierung der Online-Kommunikation und hier ist natürlich auch der Bereich Social Media mittendrin statt nur dabei.  Zusammengefasst lässt sich also auch in Österreich eine mehr als positive Entwicklung konstatieren. Was mich, als jemand der sich seit sehr vielen Jahren tagtäglich mit Social-Media-Kommunikation und Marketing beschäftigt, auch persönlich natürlich sehr freut.
Wie haben sich die Social-Media-Spendings im Jahr 2020 entwickelt und wie sieht Ihre diesbezügliche Einschätzung für 2021 aus?
Mittelmeier: Wie diverse Umfragen und Auswertungen aus Deutschland aber auch aus Österreich zeigen, war und ist die Bereitschaft, mehr Geld in Social Media zu investieren, durchaus vorhanden. Es kam also im Frühjahr zu Budget-Shifts, was Werbe-Budgets und Etats angeht. Das Thema Social Media Marketing wurde heuer, seit Corona und vor allem seit dem ersten Lockdown, generell viel professioneller von den Unternehmen angegangen. Sei es was die Content Creation und das Content Management angeht, sei es was das Thema Social Media Advertising betrifft. 
Was sind heute die klassischen „Einstiegs-Plattformen“ im Social-Media-Bereich? Ist das noch immer Facebook?
Mittelmeier: Gute Frage. Das kommt vor allem auf das Alter und Umfeld der Social Media Nutzer an. Die eher jungen User finden sich eher bei TikTok, Snapchat, YouTube oder Instagram. Letzteres gehört neben WhatsApp auch zu Facebook. Hier wird die Altersstruktur der Accounts sukzessive älter. Klar, welcher junge Mensch möchte im gleichen sozialen Netzwerk aktiv sein wie seine Eltern oder vielleicht sogar die Großeltern? Mit etwa vier Millionen privaten Profilen aus Österreich ist Facebook aber nach wie vor die Nummer Eins Plattform für viele Österreicher. Danach folgt schon Instagram, wie es scheint können sich derzeit die meisten in unserem Land “darauf einigen” hier aktiv zu sein.   
 
Auf welche Plattformen setzen die meisten Unternehmen und Marken?
Mittelmeier: In jedem Fall sind viele Unternehmen aus Österreich mit einem Channel auf Facebook und Instagram vertreten. Twitter wird dagegen eher weniger von Unternehmen genutzt. Danach folgt LinkedIn, welches im Moment aber doch noch von überraschend vielen Unternehmen eher “stiefmütterlich” behandelt wird. Hier findet jedoch gerade ein Umdenken statt. Im Trend ist auf jeden Fall auch TikTok - hier vor allem im B2C-Bereich.  
 
LinkedIn, aber auch XING werden in der Social-Media-Kommunikation von Unternehmen und Marken zunehmend relevanter: Warum? Und was bedeutet das für die generelle Social-Media-Strategie von Unternehmen und Marken?
Mittelmeier: Beide Netzwerke erfreuen sich - wie schon beschrieben - nun einer größeren Aufmerksamkeit. Warum das so ist? Es gibt seit März kaum Networking Events oder ähnliches. Viele weichen zum Networken in die sozialen Netzwerke aus. Nutzen hierfür eben digitale Kanäle. Gerade im B2B-Bereich sind XING und LinkedIn “aufgelegt”. Wo ist aktives Netzwerken im Lockdown möglich? Klar - auf den beiden Business Plattformen. Gerade auf LinkedIn ist ein starker Zuwachs an Profilen, Seiten, Aktivitäten, Postings, Austausch und ähnliches spürbar. Von Personen bis hin zu Unternehmen. Ich kann nur jedem Unternehmen in Österreich, egal ob Corporate, KMU oder Startup empfehlen sich mit den Business Social Medias vertraut zu machen. Aktives Content- und Community Management sowie da oder dort mit Ad Kampagnen zu experimentieren. Natürlich sind die Business Socials auch unabdingbar für die eigene Employer Branding Strategie. Stichwort: “War For Talents”. 
 
Mit wem haben Sie auf Unternehmensseite in Ihrer Rolle als Social-Media-Dienstleister öfter zu tun: mit der Kommunikationsabteilung oder mit dem Marketing?
Mittelmeier: Das lässt sich so pauschal nicht beantworten. Kommt immer darauf an, wo die Social Media Agenden in den Unternehmen verankert sind. Das ist teilweise im Marketing, kann aber auch in der PR-Abteilung sein, und nicht selten hat auch HR ein Wort mitzureden. Mein Ansatz ist ein ganzheitliches Auftreten als Unternehmen in den sozialen Netzwerken. Das beginnt schon beim CEO/Geschäftsführer und zieht sich genau genommen durch viele Abteilungen im Unternehmen. Hat man einen Social CEO und überdies Corporate Influencer, ist man auf einem mehr als guten Weg. Auf den Punkt gebracht: Social Media Kommunikation hat Schnittmengen in fast allen Bereichen eines Unternehmens und genau so sollte das auch im daily business gehandhabt werden.  
 
Social Media ist ein klassisches B2C-Thema, aber auch in der B2B-Kommunikation sinnvoll. Wird das von Unternehmen und Marken auch so erkannt oder dauert das noch?
Mittelmeier: Social Media ist sicher kein ausschließliches B2C-Thema mehr. Eigentlich schon länger nicht mehr, zumindest in meiner Wahrnehmung. Gerade die großen österreichischen Unternehmen und Konzerne aus dem klassischen B2B-Bereich setzen für Brand Awareness, Content Marketing, Community Building, Employer Branding u.ä. seit Längerem auf Social Media. Von Facebook bis hin zu LinkedIn. Was wir aber sehr wohl beobachten können, sind die österreichischen B2B KMUs, die nun vermehrt auf Kommunikation und Marketing in den sozialen Netzwerken setzen. Ein sehr positiver Trend wie ich finde.     
 
Welche Social-Media-Trends kommen Ihrer Ansicht nach 2021 auf uns zu? 
Mittelmeier: Das ist immer schwierig vorherzusehen. Manche von Experten beschworene Trends wurden nur leider nie zu solchen. Social Media ist per se ein sich sehr schnell veränderndes Umfeld. Was heute noch ein sogenannter “Trend” ist, ist morgen schon “Schnee von gestern”. Was man aber definitiv sagen kann: Social Media ist gekommen, um zu bleiben. Soziale Netzwerke haben bei all ihren Vor- und auch Nachteilen eine gewichtige Rolle in unserem Leben eingenommen. Ich glaube, TikTok wird auch 2021 noch sehr stark wachsen. Genauso wie LinkedIn im DACH-Raum und im speziellen in Österreich immer relevanter wird - für uns als Personen als auch im Marketing/Kommunikations-Mix der Unternehmen.       


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