Thomas Petroczi, dreifive 15.10.2020, 09:00 Uhr

"Bewegtbild liegt im Trend, wird aber zu sehr gehypt."

Thomas Petroczi, Head of Social Media der Wiener Digitalagentur dreifive GmbH, einer Tochter der Goldbach, spricht in einem Interview über digitale Trends und „Attitude“.
 Thomas Petroczi, Head of Social Media der Digitalagentur dreifive: "Auf Social Media darf man ruhig provozieren und gesellschaftlich weniger akzeptierte Meinungen vertreten. Denn dann ist die Rückkopplung am größten."
(Quelle: dreifive)
Herr Petroczi, Sie sind Head of Social Media bei dreifive. Was ist dreifive?
Thomas Petroczi: dreifive ist eine Full-Service Digitalmarketing Agentur mit insgesamt drei Standorten in Zürich, Konstanz sowie Wien. Derzeit beschäftigen wir knapp über 70 Mitarbeiter, wovon knapp über 20 am Standort Wien tätig sind. Wir arbeiten allerdings alle standortübergreifend eng zusammen. 
dreifive bezeichnet sich zudem als Performance-Marketing-Agentur. Was kann man sich darunter vorstellen?
Thomas Petroczi: Das ist eine interessante Frage, da wir vor kurzem in einem Managementmeeting unsere Positionierung diskutiert haben. Kurz gesagt: Wir machen Marketing messbar! Da unsere Expertise aber mittlerweile weit über Performance Marketing hinausreicht, wird sich auch unser Claim in naher Zukunft ändern.
TikTok liegt mit seinen über 800 Millionen Usern weltweiten stark im Trend. Laut einer Cisco-Studie wird Video bis 2022 82 Prozent aller Online-Inhalte ausmachen. Was bedeutet das für das Social-Media-Marketing?
Thomas Petroczi:
Bewegtbild liegt sehr im Trend, aber ich finde es wird zu sehr gehypt. Es hat natürlich große Relevanz und vermittelt Information unterhaltsamer, daher geht der Trend vermutlich auch in diese Richtung. Im Paid-Media-Bereich erzielt Bewegtbild vor allem im Branding-Bereich bessere Resonanz. Im Owned-Media-Bereich wird man dafür von den Plattformen teilweise mit mehr Reichweite belohnt. Dennoch werden statische Inhalte nach wie vor Bestand haben, da Videos aufwendiger und kostenintensiver sind.
Ändern neue Trends wie TikTok, Instagram Reels und Youtube Shorts die Kundenanfragen und Kundenerwartungen?
Thomas Petroczi: Unsere Kunden fragen schon aktiv nach, aber wir kommen auch proaktiv mit Vorschlägen auf sie zu. Wir probieren einiges aus und schauen, ob es funktioniert. Durch Insta Reels und YouTube Shorts hat sich noch nicht allzu viel geändert. Ich bin gespannt, ob es Facebook/Instagram schafft, TikTok mit Reels zu schmälern, denn das ist ja der Hintergedanke dabei. Dass es einen so großen Umschwung herbeiführen wird wie damals, als Snapchat kopiert und Instagram Stories eingeführt wurden, glaube ich nicht. Instagram und TikTok haben ja doch unterschiedliche Zielgruppen, auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht einen anderen Anschein hat. Bei YouTube sehe ich größeres Potenzial. Wenn sich dort auch Hochformat-Videos durchsetzen, haben sie gute Chancen in direkte Konkurrenz mit TikTok zu treten. 
Was macht einen erfolgreichen Social-Media-Auftritt Ihrer Meinung nach aus?
Thomas Petroczi: Man muss sich Nischen suchen und in diesen einen Mehrwert für den Nutzer bieten. Dabei muss man gleichzeitig authentisch oder ein wirklich guter Schauspieler sein, ansonsten wird man schnell abgeschrieben. Außerdem darf man ruhig provozieren und gesellschaftlich weniger akzeptierte Meinungen vertreten. Denn dann ist die Rückkopplung am größten: Die User haben das Bedürfnis ihren Senf dazuzugeben, dadurch kommt es verstärkt zu Interaktionen, dies belohnen die sozialen Netzwerke gerne mit Reichweite.
Die Digital Natives haben mittlerweile die Kommunikationsbranche erreicht. Sehen Sie Vorteile für ein Unternehmen mit Digital Natives im Social-Media-Team?
Thomas Petroczi: Ja bestimmt. Unser Team ist im Schnitt circa 26 Jahre alt. Wir haben natürlich auch erfahrene Personen im Unternehmen, aber die jüngere Generation hat einen ganz anderen, direkteren Zugang zur digitalen Kommunikation. 
Abschließend noch eine Frage zum diesjährigen Motto der DMEXCO: Was verstehen Sie unter „Attitude“?
Thomas Petroczi: Im Businesskontext, dass Unternehmen mehr denn je gefragt sind, Werte zu kommunizieren und nicht nur ihre Produkte. Gerade während Covid-19 kommen viele Kunden auf uns zu und fragen nach Tipps, wie sie ihre Kommunikation entsprechend anpassen können. Für mich war Corona in diesem Zusammenhang nur ein Beschleuniger für einen Trend, der meiner Meinung nach schon seit einigen Jahren zu beobachten ist. Vor allem die jungen Leute machen sich Gedanken, wo das herkommt, was sie einkaufen und wer hinter dem Unternehmen steht. 
In Kooperation mit dem Studiengang Marketing und Kommunikation der Fachhochschule St. Pölten veröffentlicht Internet World Austria Interviews mit Experten aus der heimischen Marketing-, Werbe- und Medienszene. Dieses Interview wurde im Zuge der Kooperation von Victoria Aigner und Beatrice Dengler geführt. Das redaktionelle Coaching erfolgte durch die Internetworld.at-Redaktion.


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