Wunderknaben-Interview 18.11.2020, 08:30 Uhr

„Für Social Media war die Corona-Krise ein Boost.“

Stefan Schmertzing ist Geschäftsführer der Social Media- & Digital-Agentur Wunderknaben. Im Interview erläutert Schmertzing den Stellenwert von Social Media. Außerdem erklärt er die Vorteile, die Social Media für B2C, aber mittlerweile auch für B2B bereit hält.
Stefan Schmertzing, Geschäftsführer der Social Media- und Digital-Agentur Wunderknaben, erkennt in der Corona-Krise durchaus Positives für die Social Media Welt.
(Quelle: Wunderknaben)
Herr Schmertzing, das Jahr 2020 ist von der Corona-Pandemie geprägt. Inwiefern hat die Krise die österreichische Social-Media-Welt verändert?  
Stefan Schmertzing: Meiner Meinung nach war die größte Veränderung seit dem ersten Lockdown im März, dass die Wichtigkeit von Social Media im Allgemeinen stark gestiegen ist. Da die meisten im Home Office verweilen mussten, waren es die verschiedenen Social Media-Plattformen, wo man Informationen jeglicher Art herbekam: angefangen bei nationalen sowie internationale wirtschaftliche Entwicklungen, aber auch einfache News von den Kollegen. Für Social Media war die Corona-Krise quasi ein Boost. 
Welchen Stellenwert hat Social-Media-Marketing in diesem Ausnahmejahr für die Unternehmens- und Krisenkommunikation? 
Schmertzing: Durch Social Media ist es relativ leicht möglich, die Kultur eines Unternehmens, die Werte und auch die Einstellung zu den eigenen Mitarbeitern mit der Öffentlichkeit zu teilen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Negativbeispiele, wie aktuell bei Humanic. Wenige Tage vor dem zweiten Lockdown in Österreich hat der Schuhersteller Humanic einen 50-Prozent-Aktionstag eingeführt, wo die Leute die Shops regelrecht gestürmt haben. Daraufhin erhielt Humanic über Social Media den Unmut der Social Media Community zu spüren. Es sei inakzeptabel, den Corona-Virus derart zu verharmlosen und lediglich an Profit zu denken in solch schwierigen Zeiten. Ich denke, ohne Social Media könnte man nicht so schnell mit Unternehmen direkt kommunizieren. Das bringt uns zum Thema „Krisenkommunikation“, welche sehr wichtig ist. Besonders wichtig hierbei ist, dass sich auch eigenen Mitarbeiter viel schneller über Social Media aktivieren und informieren lassen als über interne Kanäle. Daher wird der Stellenwert von Social Media auch immer wichtiger. 
TikTok hat vor allem bei der jüngeren Generation an Popularität gewonnen. Sind Sie der Meinung, dass sich die Nutzung der Jungen – weg von Facebook und Instagram – hin zu TikTok verlagert, und somit altbewährte Plattformen nur noch von älteren Generationen genutzt werden? Oder bleiben die Plattformen unter dem Dach des Facebook-Konzerns für alle User relevant? 
Schmertzing: Meiner Meinung nach ist TikTok die erste Plattform, die sich innerhalb kürzester Zeit sehr stark durchgesetzt hat – nämlich aufgrund der Art und Weise, wie man die eigenen Videos produzieren kann. Und diese Videos sind ja dann nicht nur auf TikTok zu sehen, sondern werden auch auf anderen Portalen, wie Facebook und Instagram, abgespielt. Demnach kann man nicht behaupten, dass Facebook oder Instagram plötzlich „out“ werden. Ich behaupte, dass alle Leute im Social Media Bereich nicht nur einen TikTok Account haben, sondern auch Facebook und/oder Instagram Accounts. Gewiss ist es aber so, dass man bestimmte Plattformen mehr nutzt als andere. Facebook zum Beispiel hat weltweit Milliarden Nutzer und bleibt damit wohl weit vorne bei den beliebtesten Social Media Plattformen. TikTok ist fokussiert auf Bewegtbild-Content und die schöpferischen Möglichkeiten, die TikTok bietet, spricht die jüngeren Generationen zurzeit einfach mehr an. Ich bin der Meinung, dass die Relevanz von Facebook und Instagram durchaus gegeben ist, sie verschiebt sich nur gelegentlich im Laufe der Zeit. Besonders relevant an Facebook sind zurzeit die einzelnen Facebook Interessens Gruppen, wie zum Beispiel Wiener Wunderweiber mit über 5.000 Mitgliedern. 
Und welche Social-Media-Trends werden uns Ihrer Meinung nach im kommenden Jahr erwarten? 
Schmertzing: Über TikTok kann ich das nicht sagen. Aber Facebook und Instagram werden immer mehr Richtung Business gehen, auf Online-Shops oder Webseiten verweisen – und das am besten mit nur einem Klick. Die Consumer Journeys werden immer kürzer und gehen immer mehr Richtung Sales.
Lange Zeit hat der B2C-Bereich die Social-Media-Welt dominiert. Welche Rolle spielt Social Media Ihrer Meinung nach für den B2B-Bereich? 
Schmertzing: Die Anfänge des B2B sehe ich klar bei großen Marken, wie zum Beispiel Coca-Cola oder Red Bull. Das hat sich meiner Meinung nach dahingehend verändert, als dass im B2B-Bereich die Wichtigkeit der Firmendarstellung und dem Employer Branding stark gestiegen ist. Unter anderem haben Plattformen wie LinkedIn im internationalen Bezug oder Xing im DACH Raum dazu beigetragen. Auch HR-Prozesse haben sich teilweise auf eben genannte Plattformen verschoben. Aber auch umgekehrt ist es mittlerweile üblich, dass sich Bewerber vorab über Social Media oder Unternehmensbewertungsplattformen, wie Kununu, über das Unternehmen informieren möchten.
LinkedIn und Xing spielen eine relevante Rolle in der heimischen Social-Media-Szene: Welche Empfehlungen haben Sie für die optimale Nutzung dieser beiden beruflichen Kanäle? 
Schmertzing: Meiner Meinung nach sind aussagekräftige Informations-Rubriken über das Unternehmen das A und O. Außerdem ist es wichtig, nicht nur mit „starren“ Postings zu arbeiten, sondern auf Bewegtbild zu setzen, um Dynamik zu erzeugen. Das wichtigste ist, wie bereits erwähnt, Employer Branding. Wie gehe ich als Unternehmen mit meinen Mitarbeitern um? Das muss man unbedingt zeigen, denn das zeigt die Kultur des Unternehmens und ist natürlich auch für HR von großer Bedeutung. 
Zeigten sich Unternehmen in Hinblick auf die Social-Media-Spendings spendabel oder fielen die Budgets dieses Jahr kleiner aus? Und wie werden sich die Social-Media-Budgets im kommenden Jahr entwickeln 
Schmertzing: Eine interessante Frage, denn eigentlich haben wir heuer mehr zu tun als im Jahr zuvor, aber die Social-Media-Spendings haben sich nicht erhöht. Business-Pläne werden ja für gewöhnlich Anfang des Jahres gemacht und da gab es eben noch keinen Corona-Virus. Aufgrund der Krise haben die meisten Unternehmen eher eingespart und wollten nicht mehr Geld für Social Media ausgeben. Doch aufgrund der zunehmenden Relevanz von Social-Media gehe ich 2021 von höheren Social-Media-Budgets aus.


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