Gastkommentar 12.11.2020, 12:00 Uhr

Warum YouTube Shorts zu mehr Community-Feeling führen wird

Simon Kaiser ist Gründer und Geschäftsführer der YouTube-Agentur „Klein aber” und Vollzeit-YouTuber für Markenkanäle. Im Gastkommentar erläutert Kaiser, welche Chancen YouTube Shorts bietet und inwiefern sich diese von TikTok und Reels abgrenzen.
Im Gastkommentar erläutert Simon Kaiser, Gründer und Geschäftsführer von "Klein aber", welche Chancen und Möglichkeiten der kürzlich in Indien gestartete Dienst YouTube Shorts bietet.
(Quelle: Klein aber)
Nach Instagram, TikTok und Facebook hat jetzt auch YouTube mit seinen „YouTube Shorts” eine Lösung entwickelt, um sich dem Kurzvideo-Trend anzuschließen. Dabei ist YouTube Shorts ein bisschen mehr als der Versuch, einem Trend hinterherzulaufen oder „same same but different“ genau das anzubieten, was die anderen sozialen Netzwerke längst für sich beanspruchen. Bei YouTube Shorts ist es möglich, 15-sekündige Clips zu produzieren. Also ganz ähnlich wie bei TikTok und Reels bei Instagram. Die Clips lassen sich auf allen drei Plattformen mit verschiedenen Filtern „verschönern” und direkt veröffentlichen. Soweit funktionieren alle drei Kurzvideo-Angebote erst einmal sehr ähnlich, was auch überhaupt kein Problem darstellt. Schließlich hält sich der Trend nun schon seit vielen Monaten, vor allem in der jungen Zielgruppe – und zwar rund um den Globus.
Den Start macht YouTube Shorts allerdings nicht auf dem europäischen, sondern auf dem indischen Markt. Hier ist TikTok seit Juni verboten, YouTube hat also die Chance, den Markt ohne viel Konkurrenz zu erobern und eine Lücke zu füllen. In Indien wird sehr viel häufiger zum Smartphone statt zum Notebook oder PC gegriffen – ein wichtiger Aspekt für die Produktion: Auf dem Smartphone lassen sich kurze Videos komfortabler erstellen als lange. Außerdem kommt Youtube Shorts mit diversen Funktionen, die zusätzliche Tools unnötig machen: Timer, Countdown, Geschwindigkeitsregler und verschiedene Schnittfunktionen. 

Worin liegt die Innovation bei YouTube Shorts?

Um das Offensichtliche direkt vorwegzunehmen: YouTube erfindet sich mit Shorts nicht neu. Lange Videos bleiben das Key Piece der Plattform. Trotzdem haben Creator nun eine neue Möglichkeit: Sie können dank Shorts auch zwischen der Veröffentlichung ihrer Videos in Kontakt mit ihren Fans bleiben. Zwar gibt es schon seit einiger Zeit den sogenannten Community Tab – aber im Tab verlinkt man auf Videos und somit ist die Erfahrung schon eine ganz andere als mit Shorts. Die neue Funktion kann als eine Erweiterung von Stories gedacht sein. YouTube Shorts ist also der nächste logische Schritt, um User dauerhaft auf der Plattform zu halten. Während die meisten Creator nur wenige Video pro Woche publishen, ermöglicht die Funktion ihnen ein kurzes Update zwischen den langen Content-Pieces. Für YouTube selbst ist Shorts ein riesen Gewinn: Der Algorithmus bekommt neue Daten, und es entsteht die Chance, auch schnellere Impulse der User zu erkennen. Durch die sehr kurzen Content-Pieces (z. B. bei TikTok) empfängt der Algorithmus sehr schnell Impulse. So werden immer genauere Nutzerprofile erstellt, die sich praktisch live aktualisieren. Die Länge herkömmlicher Videos bei YouTube bietet diese Möglichkeit bisher nicht im selben Umfang, da es innerhalb eines Videos weniger unterschiedliche Signale zu tracken gibt. YouTube Shorts bietet theoretisch die Möglichkeit, diese Signale in den Algorithmus zu integrieren und ihn dadurch noch besser zu machen.

Kein unüberlegter Move – sondern gut kalkulierte Strategie

Alle Videos, die auf YouTube hochgeladen werden, sind ein höchst relevanter Faktor für die Google-Suche. Dabei kann kein anderes Social Network mithalten. Ziemlich sicher ist also, dass Shorts Auswirkungen auf Googles Relevanzkriterien haben wird – so wie es zuvor auch schon mit den meisten anderen Features der Plattform war. Trotzdem wäre es denkbar falsch nun zu sagen: „Ab sofort produzieren wir nur noch Kurzvideos.” Denn die eigentliche Stärke von YouTube liegt letztendlich in der Länge der Videos. Nicht umsonst belohnt der Algorithmus eine längere Watchtime mit höherer Aufmerksamkeit. Für Creator bedeutet das, dass kurze Videos nicht plötzlich zum Haupt-Content werden. Vermutlich wird sich YouTube Shorts analog zum Community Tab als ergänzendes Fan-Bindungs-Tool etablieren – und natürlich auch neue Möglichkeiten der Vermarktung mit sich bringen.


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