Trendforscher Tristan Horx 18.01.2019, 08:43 Uhr

„Im Zuge der Überdigitalisierung suchen Menschen wieder nach analogen Beziehungen“

Tristan Horx (25) kommt aus einer Trendforscherfamilie und hat Kultur- und Sozialanthropologie studiert. Er arbeitet im Familienunternehmen „Zukunftsinstitut“ als Zukunftsforscher. Zudem ist er Gastgeber seines Podcasts „Treffpunkt Zukunft“ und als Dozent an der SRH Hochschule Heidelberg tätig. Im Interview spricht er über Digitalisierung, Glokalisierung und Zukunftsforschung.
Zukunftsforscher Tristan Horx: "Das Spannende am Thema der künstlichen Intelligenz ist die Diskrepanz zwischen den Doomsayern und den Technikern."
(Quelle: Klaus Vyhnalek)
Ein Institut für Trendforschung, das ein Familienunternehmen ist: Wer hätte so etwas Anfang der 90er Jahre prognostiziert, als die Trendforschung ihre erste Glanzzeit hatte und ihr Vater, Matthias Horx, zum Medienstar aufstieg?
Tristan Horx:
Das ist das Schöne an einem Nischenberuf – es gibt keine Vergleichswerte. Vor allem muss man hinzufügen, dass wir davon ausgegangen sind, dass es unmöglich ist, ein Familienunternehmen daraus zu machen.
Sie kommen am 25. Jänner 2019 nach Wien und werden auf Einladung der American Chamber of Commerce in Austria einen Vortrag mit dem Titel „GloKalisation – A New World Order?“ halten. Was dürfen sich die Besucher des AmCham-Events im Hilton Vienna Plaza erwarten?
Tristan Horx:
Einen Impulsvortrag über die langsame, aber stetige unsichtbare Veränderung unserer globalisierten Welt. Im Jahre 2019 ist das Lokale und das Globale kein Widerspruch mehr, eine neue Zeit der GloKalisierung steht bevor. Wir brauchen neue politische und soziale Konzepte, um mit dieser immer komplexeren, vernetzteren Welt mitzuhalten, und über diese werde ich sprechen.
Gehen wir ans Eingemachte: Was sind die absoluten Megatrends 2020?
Tristan Horx: Das Geniale an Megatrends ist, dass JEDER von ihnen relevant ist. Ohne ein Verständnis der Zusammenhänge zwischen ihnen bleibt man in seiner eigenen Blase.
Welche nicht naheliegenden Veränderungen wird die Digitalisierung in den nächsten Jahren mit sich bringen?
Tristan
Horx: Die Rache des Analogen. Jeder Trend hat einen Gegentrend, und im Zuge der Überdigitalisierung suchen die Menschen wieder nach echten, analogen Beziehungen und Kulturtechniken.
Einige der spannendsten Entwicklungen spielen sich gerade im Bereich Künstliche Intelligenz ab: Haben Sie auch Angst vor Maschinen, die sich uns Menschen zum Untertan machen?
Tristan Horx:
Das Spannende am Thema der künstlichen Intelligenz ist die Diskrepanz zwischen den Doomsayern und den Technikern. Reden Sie mal mit den Leuten, die diese Technologie bauen und sich tagtäglich damit von technischer Seite befassen. Die wirken überraschend entspannt. Es hat nicht immer der Lauteste, der Dystopischste recht.
Plaudern Sie ein wenig aus dem Nähkästchen: Wie kann man sich die Zusammenarbeit in der Familie Horx – ihre Eltern und ihr Bruder sind alle in der Trendforschung tätig – vorstellen? Geht’s bei Ihnen zu Hause auch mal nicht um Trends?
Tristan Horx:
Ich erinnere mich entfernt daran, dass wir auch einmal über das Wetter geredet haben. Muss schon lange her gewesen sein, denn heutzutage wären wir sofort bei Themen wie Prognostizierbarkeit von Wetter, Global Warming & Co. Grundsätzlich "leiden" wir darunter, dass sich jedes Thema durch eine Trendlinse diskutieren lässt. Was Neues auf Social Media gesehen? Facebookkrise. Katzenvideo? Manipulierbarkeit im digitalen Raum. Familiengossip? Die sich neu verändernden sozialen Dynamiken der Moderne. Keineswegs würde ich es als Fluch bezeichnen, denn jede Unterhaltung ist somit spannend.
Hier erfahren Sie mehr über Tristan Horx.


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