Schrittweise Umsetzung 15.01.2020, 10:00 Uhr

Google Chrome blockiert künftig Third-Party-Cookies

Googles Chrome-Browser will schrittweise keine Third-Party-Cookies mehr unterstützen. Das Aus soll innerhalb der nächsten zwei Jahre kommen. Mozillas Firefox und Apples Safari blockieren bereits per Standardeinstellung.
(Quelle: shutterstock.com/Ink Drop)
Die Nutzer fordern mehr Privatsphäre - einschließlich Transparenz, Auswahl und Kontrolle über die Verwendung ihrer Daten. Es ist unbestritten, dass sich das Web- und Werbe-Ökosystem weiterentwickeln muss, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Diverse Browser haben bereits reagiert und blockieren Cookies von Drittanbietern. Mozillas Firefox und Apples Safari sperren per Standardeinstellung ab. Nun kündigt auch Google an, dass der Chrome Browser künftig keine Third-Party-Cookies mehr unterstützen soll.
Das Aus soll innerhalb der nächsten zwei Jahre kommen, bis dahin würde schrittweise umgestellt werden. Einen radikalen Schritt will Google verhindern. Das hätte "unbeabsichtigte Folgen, die sich sowohl auf die Benutzer als auch auf das Web-Ökosystem negativ auswirken können."
Entsprechende übereilte Ansätze würden das Geschäftsmodell vieler werbefinanzierter Websites untergraben und undurchsichtige Techniken wie Fingerprinting fördern, die den Datenschutz und die Kontrolle der Benutzer einschränken können. "Wir glauben, dass wir als Gemeinschaft es besser machen können und müssen", so Google.
Fingerprinting ist eine Tracking-Methode, um einen Benutzer beim Surfen ohne Cookies zu identifizieren.

Attraktive Alternativen

Google will daher erst unter bestimmten Voraussetzungen blockieren - das heißt, erst, wenn es attraktive Alternativen gibt. Eine, die Google bereits initiiert hat, ist die "Privacy Sandbox". Gleichzeitig arbeitet der Konzern nach eigenen Angaben an Techniken und neuen Anti-Fingerprinting-Maßnahmen, um verdecktes Tracking und ähnliche Prozesse zu erkennen und einzudämmen. Diese sollen noch dieses Jahr eingeführt werden.
Wie schon vor Längerem angekündigt, wird Chrome ab Februar zudem das SameSite-Update ausrollen. Dabei müssen Website- oder Plattformbetreiber explizit angeben, welche Cookies von Drittanbietern auf anderen Websites verwendet werden dürfen. Cookies, die kein SameSite-Label enthalten, werden nur als First-Party-Cookies behandelt. Cookies, die für die Verwendung durch Dritte gekennzeichnet sind, müssen über HTTPS zugänglich sein. Dadurch sollen die Cookies von Drittanbietern sicherer werden. Benutzer erhalten laut Google präzisere Cookie-Einstellungen über den Browser.

Das steckt hinter der "Privacy Sandbox"

Im August 2019 startete Google die Initiative "Privacy Sandbox". Sie hat das Ziel, Targeting und personalisierte Werbung gleichermaßen wie Datenschutz sicherzustellen. Denn Google steht vor einem Dilemma: Immer mehr Nutzer setzen auf Adblocker und wollen keine Anzeigen mehr sehen. Auch das Tracking vieler Werbenetzwerke wird unterbunden. Zudem implementieren immer mehr Browser-Hersteller immer schärfere Privatsphäre-Optionen.
Für Google wird das zum Problem, denn das Unternehmen betreibt mit Chrome selbst einen Browser und verdient dazu sein Geld nach wie vor primär mit seinem Werbenetzwerk.
Ziel der Open-Source-Initiative ist es daher, das Web für die Nutzer privater und sicherer zu machen und gleichzeitig die Verlage und Werbetreibende zu unterstützen.
"Nach einem ersten Dialog mit der Web-Community sind wir zuversichtlich, dass durch die Wahrung der Privatsphäre und durch Initiativen wie die Privacy Sandbox ein 'gesundes', werbefinanziertes Web aufrechterhalten werden kann, das Cookies von Drittanbietern überflüssig macht", so Justin Schuh, Chrome Engineering Director.


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