Martin Loss, Google 26.03.2019, 08:00 Uhr

"Das Thema Seitenperformance ist für alle Branchen relevant."

Martin Loss ist Mobile Performance Specialist für die Region Central Europe bei Google. Im Interview spricht Loss über den Relaunch des Google-Tools Test My Site und darüber welche Möglichkeiten es gibt um mobile Websites zu optimieren.
Martin Loss, Google Mobile Performance Specialist Central Europe: "Im eigentlichen Sinne stellt Test My Site die Ergebnisse einer Vielzahl technischer Analysen und komplexer Datenquellen den Entscheidern im Unternehmen kostenlos und übersichtlich zur Verfügung, ohne dafür technisches Verständnis vorauszusetzen."
(Quelle: Google)
Google hat die optimierte Version von Test My Site beim Mobile World Congress 2019 in Barcelona vorgestellt. Welche Änderungen wurden im Vergleich zur ersten Version von vorgenommen?
Martin Loss: In Barcelona haben wir einige sehr wichtige Neuerungen im Vergleich zur früheren Test My Site-Version vorgestellt, denn das Thema Seitenperformance ist höchst dynamisch und auch die  Messmethoden müssen stets mithalten. In der aktuellen und neu vorgestellten Version bieten wir erstmals einen holistischen Überblick auf die Performance einer Seite. Einerseits mit der Ladezeit, in einer stabilen und statischen Laborumgebung, anderseits mit der Webseitengeschwindigkeit aus Datenpunkten wirklicher Seitenbesuche. Damit vereinheitlichen wir auch die Erkenntnisse verschiedener, eher technischen Google Tools. Im Vergleich zur vorherigen Version bekommen Entscheider nun auch eine Einschätzung, wie sich die Ladezeit zeitlich verändert hat und wie die eigene Seite im Vergleich zu anderen Seiten lädt. Dies sind beides wichtige Punkte, denn man möchte ja sehen wie man im Vergleich dasteht und wie sich die Website monatlich entwickelt. In der aktuellen Version ist es nun auch möglich Verbesserungsvorschläge, in Form von übersichtlichen Berichten, für bis zu fünf Seiten gleichzeitig anzufordern. Weiterhin besteht die Möglichkeit sich mit einzelnen Marktteilnehmern zu vergleichen und auch eine Einschätzung dafür zu bekommen, wie Verbesserungen der Ladezeit auf den Geschäftserfolg einzahlen.
Test My Site ist ein Mobile-Speed-Tool mit dem Google Unternehmen und Werbetreibenden die Möglichkeit bietet, die Schnelligkeit der Ladezeit ihrer Websites zu testen. Können Sie in wenigen Worten beschreiben wie das Tool genau funktioniert?
Martin Loss: Im eigentlichen Sinne stellt Test My Site die Ergebnisse einer Vielzahl technischer Analysen und komplexer Datenquellen den Entscheidern im Unternehmen kostenlos und übersichtlich zur Verfügung, ohne dafür technisches Verständnis vorauszusetzen. Für die Bestimmung der Ladezeit in der Laborumgebung wird die aktuellste „Page Speed Insights API“ angesteuert, welche den Ladevorgang unter bestimmten Testbedingungen simuliert. Hier wird im Detail die Metrik „Frist Contentful Paint“ betrachtet, also der Moment wenn der Browser erste Inhalte darstellt. Die Webseitengeschwindigkeit beschreibt ebenfalls die Metrik „First Contentful Pain“ aber basiert nun auf wirklichen Nutzerzugriffen und stammt aus einem Chrome-Bericht der Nutzererfahrung. Es kann also einen Unterschied machen ob der Nutzer mit schlechter Internetverbindung, etwa in einer Tiefgarage aufruft oder eine klinische Testumgebung stabile Netzeigenschaften simuliert. Der Chrome-Nutzer-Bericht wird monatlich aktualisiert, ist öffentlich zugänglich und beinhaltet anonymisierte Daten. Der Vergleich mit anderen Webseiten bedient sich ebenfalls dieser Quelle.
Wenn das Laden der Website länger als drei Sekunden dauert, brechen die Besucher der Seite den Vorgang in der Regel ab. Wie kann man die Ladezeit einer Website um ein bis zwei Sekunden verkürzen?
Martin Loss: Hier kommt es immer auf die eigentliche Seite und die jeweils wichtigsten Optimierungshebel an. Test My Site unterstützt und priorisiert die Vorschläge der Optimierung bezüglich ihres Einflusses auf die Ladezeit. Allgemein empfiehlt es sich eine Übersicht zu haben, welche die großen Bestandteile der Webseite sind also etwa Bilder, JavaScript oder CSS Dateien. In meiner täglichen Arbeit mit vielen E-Commerce-Webseiten wurde deutlich, dass oftmals Bilder einen beachtlichen Teil einer Seite ausmachen und Bildoptimierungen von Entwicklungsteams als erstes angegangen werden. Gründe dafür sind, dass man Optimierungshebel einfach erkennt, teilweise automatisiert angehen kann und damit deutlichen Einfluss auf die Performance einer Webseite nehmen kann. Bildoptimierung ist eine Kunst an sich und ich kann an dieser Stelle beispielsweise das E-Book images.guide empfehlen. E-Commerce-Seiten sind interaktiv und haben daher einen hohen Anteil an JavaScript, welcher oft historisch gewachsen ist und nicht immer für die schnelle Darstellung des sichtbaren Teils einer Seite optimiert ist. Dies erfordert mehr manuelle Arbeit, jedoch kann man sich hier von sehr schnellen Seiten, wie beispielsweise Buecher.de, Zalando.com, BMW.com und der OTTO Gruppe inspirieren lassen. Gerade bei BMW.com wird sichtbar wie der Einsatz moderner Webtechnologien, wie etwa Accelerated Mobile Pages oder Progressive Web Apps, zu deutlich schnelleren Seiten mit langfristigen Erfolgen führen können.
Welche Branchen nutzen Test My Site besonders häufig und welche Branchenmitglieder konnten die Ladezeiten seit der Einführung des Mobile-Speed-Tools verbessern?
Martin Loss: Das Thema der Seitenperformance ist für alle Branchen relevant, denn jedes Unternehmen, ob kleiner Familienbetrieb oder Konzern, Einzelhandel oder Hotelanbieter, hat erwartungsvolle Konsumenten, steigende mobile Nutzeranfragen, nur ein kleines Zeitfenster und einen kleinen Smartphone-Screen, um die Nutzererwartungen zu übertreffen. Die erste Erkenntnis wie wichtig das Thema für das eigene Unternehmen sein kann, ist von zentraler Bedeutung, denn letztendlich geht es Unternehmen um Geschäftserfolg und Optimierungen an der Seite sind branchenübergreifend ein Hebel dafür. Wir sehen hier branchenübergreifendes Interesse, Erfolg und performante Webseiten in allen Industrien und Unternehmensgrößen. In unserer Masterclass bei den Mobile Marketing Innovation Days 2019, am 29. März 2019, zum Thema „Be Fast, Be Easy, Be Useful – Improve mobile conversion rates“ werde ich mit meinem Google-Kollegen Alberto Miotti, einige erfolgreiche Beispiele präsentieren, bei denen es Unternehmen gelungen ist durch technische Optimierungen mobile Conversion-Raten und damit mobile Umsätze zu steigern.
Bietet Google noch andere Services an, um die digitale Marketingstrategie von Unternehmen und Werbetreibenden zu stärken?
Martin Loss: Zur Optimierung von Webseiten für technische Kollegen würde ich auf jeden Fall empfehlen Tools wie Page Speed Insights im Detail zu studieren und auch die API für regelmäßige Analysen zu nutzen. Die Optimierung der Webseitengeschwindigkeit ist ein zentraler Meilenstein für den digitalen Erfolg aber: Was nutzt eine schnell ladende Seite, wenn man die Inhalte nicht lesen kann oder die Seite sich schlecht navigieren lässt? Hier empfehle ich den kostenlosen Onlinekurs „Conversion Rate Optimization – Win on Mobile“, meiner Google Kollegin Lina Hansson. In der digitalen Marketingstrategie geht es ja nicht nur um die Zielseite, sondern auch darum wie wir effizient und zunehmend automatisiert Traffic auf die Seiten bekommen. Daran angegliedert natürlich auch, wie man geräteübergreifend Erfolg misst, richtig attribuiert und Daten wieder in die Optimierung einfließen lässt. Das würde den Rahmen des Interviews sprengen, aber ich kann an dieser Stelle auf interessante Trainings der Google Digital Workshops und spannende Trend auf trends.google.at verweisen.


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