Interview 06.10.2021, 08:00 Uhr

Sara Sihelnik, Quantcast: "Künstliche Intelligenz läutet eine neue Ära ein."

Im Interview erzählt Sara Sihelnik, Country Director DACH bei Quantcast, über ihren Auftritt im Rahmen des iab Breakfast Briefing am 12. Oktober und was sie persönlich an Künstlicher Intelligenz am meisten fasziniert.
Sara Sihelnik, Country Director DACH bei Quantcast
(Quelle: Quantcast)
Frau Sihelnik, Sie werden im Rahmen des iab Breakfast Briefing am 12. Oktober den Vortrag „How AI can teach you new tricks“ halten. Was dürfen sich die TeilnehmerInnen von Ihrem Vortrag erwarten?
Sara Sihelnik: Von Elektroautos bis zur digitalen Werbung - künstliche Intelligenz leitet in sämtlichen Bereichen eine neue Ära der ein. Auch wenn sie noch wenig bekannt ist oder missverstanden wird, verändert diese Zukunftstechnologie bereits ganze Branchen und beeinflusst alltägliche Verhaltensweisen von VerbraucherInnen - ob bewusst oder unbewusst. Wir blicken auf 18 Monate des Wandels zurück und freuen uns auf weitere Veränderungen, klar ist jedoch: KI ist gekommen, um zu bleiben. In meinem Vortrag werden wir uns damit auseinandersetzen, was KI wirklich bedeutet und welche neuen Möglichkeiten sich in der digitalen Werbung durch KI ergeben, die wir anhand von praktischen Beispielen erläutern werden.
Welche Insights werden die TeilnehmerInnen durch Ihren Vortrag mit nach Hause nehmen können?
Sihelnik: Ziel ist es im ersten Schritt, den TeilnehmerInnen zu erklären, was hinter dem Begriff „Künstliche Intelligenz“ steckt, wie so ein Algorithmus funktioniert und wie dieser eigenständig durch Automatisierung lernen kann. Die Theorie werde ich dann anhand von anfassbaren Beispielen aus dem Alltag erklären, mit denen sich die meisten Menschenidentifizieren können. Zum Beispiel: Wie kann eine KI unseren persönlichen Weingeschmack vorhersagen. Zum Schluss schlagen wir den Bogen zurück zum digitalen Marketing, indem wir Fallstudien präsentieren, die zeigen, wie wir bei Quantcast KI, bzw. maschinelles Lernen und Natural Language Processing innerhalb unserer Plattform und unserer Lösungen für unsere Kunden im digitalen Advertising schon heute erfolgreich nutzen.
Was fasziniert Sie persönlich an Künstlicher Intelligenz?
Sihelnik: Mich persönlich fasziniert, wie vielseitig künstliche Intelligenz eingesetzt werden kann, wie schnell sich die technischen Möglichkeiten entwickeln und welche neuen Chancen sich für uns daraus ergeben. In meiner aktuellen Rolle bei Quantcast komme ich jeden Tag mit den Anwendungsmöglichkeiten in der digitalen Werbewelt in Berührung. Als studierte Geophysikerin habe ich bereits erfahren dürfen, wie künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen z.B. bei der Suche nach neuen Energieressourcen, der Vorhersage von Naturkatastrophen, wie Erdbeben, oder der Planung neuer Bauprojekte genutzt werden kann.
Was sind Ihrer Meinung nach die größten Missverständnisse in Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz?
Sihelnik: Ich glaube, die größten Missverständnisse sind zum einen diese Fantasievorstellung, dass die KI anfängt, eigenständig und unkontrolliert zu handeln, oder dass wir durch KI-gesteuerte Roboter „ersetzt“ werden. Ich glaube aber, dass diese Missverständnisse auch von der Abstraktheit und Komplexität des Themas und der damit verbundenen Unwissenheit rühren, da sich viele nichts Konkretes unter KI oder einem Algorithmus vorstellen können und wie genau das funktioniert. Ich hoffe, dass ich mit meinem Vortrag etwas Licht ins Dunkel bringen kann.
Inwiefern passt Künstliche Intelligenzen Ihrer Meinung nach mit Werbung zusammen? 
Sihelnik: Wenn Werbung im Gedächtnis bleibt bzw. wirkt, dann geschieht das, vereinfacht dargestellt, weil verschiedene Faktoren zusammengespielt haben: die Werbung war in dem Moment relevant, also wurde zum richtigen Zeitpunkt gezeigt (Timing), die Werbung wurde sehr häufig gesehen (Frequenz) oder die richtige Zielgruppe wurde angesprochen (Targeting) und die Werbung wurde im passenden Umfeld/Kontext gezeigt. In der Realität ist es nochmal viel komplexer, da jeder dieser Faktoren sehr vielschichtig ist und auch individuell bei jeder Person anders wirkt. Schnell kommen so tausende von Komponenten zusammen, die in kürzester Zeit evaluiert werden müssen, um zu entscheiden, ob, wie häufig und wo jemand mit der Werbung angesprochen werden soll. Ein menschliches Gehirn hat nicht die Kapazität, diese Menge an Daten so schnell und in der Häufigkeit zu analysieren. Und hier kann KI effizient helfen, indem sie solche Analysen von großen Datenmengen automatisiert auswertet und darauf basierend Vorhersagen tätigen kann, wer, wann, in welchem Kontext für die Werbung am ehesten in Frage kommt.
Welche weiteren Bereiche könnten in Zukunft mittels Künstlicher Intelligenz vereinfacht werden? 
Sihelnik: Die Liste für mögliche KI-Anwendungsgebiete ist lang: Banken, Versicherungen, autonome Antriebsanwendungen (z.B. selbstfahrende Autos), Qualitätskontrolle, medizinische Auswertungen/Forschung; KI versteckt sich in allen möglichen Bereichen – oft sogar, ohne dass wir es bemerken. Von „intelligenten“ Häusern über nachhaltige Lebensmittelsysteme bis hin zum Notrufsystem bei Herzstillständen, KI wird zum unsichtbaren Helfer der Zukunft.
Abschließend: Sehen Sie große Trends auf uns zukommen, für die Künstliche Intelligenz von großer Bedeutung sein könnte? 
Sihelnik: Die digitale Werbebranche steht schon seit längerer Zeit vor dem Aus der 3rd Party Cookies. Google Chrome ist der letzte Browser, beidem in den nächsten zwei Jahren die 3rd Party Cookies wegfallen. Anbieter von Werbetechnologien müssen mit alternativen Signalen, wie z.B. ID-Lösungen, Kohorten oder kontextuellen Signalen, arbeiten und sinnvolle Erkenntnisse daraus schließen können. Diese Signale sind alleinstehend jedoch nicht aussagekräftig, sondern können nur in der Kombination und in großem Volumen betrachtet werden. Um aus der Menge an Signalen bzw. Daten sinnvolle Schlussfolgerungen ziehen zu können, brauchen wir ausgereifte KI, Machine Learning und Natural Language Processing. Der Wegfall der 3rd Party Cookies leitet ein neues Zeitalter im digitalen Marketing ein und steigert damit noch einmal mehr die Bedeutung von KI.



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