JETZT SUMMIT 05.04.2022, 10:00 Uhr

Lingxiu Li, Future Candy: „China ist ein unglaublich stark digitalisiertes Land“

"Für viele ChinesInnen erweist sich das Einkaufen heute nicht als reales Erlebnis, sondern als digitale Show", berichtete Lingxiu Li von Future Candy in ihrer Opening Keynote beim JETZT SUMMIT 2022 in Wien.
Opening Keynote "Digital Business Insights China" von Innovations-Expertin Lingxiu Li, Future Candy
(Quelle: MOMENTUM Wien)
Von „digitalen Ökosystemen“ spricht Lingxiu Li, wenn sie berichtet, wie die Digitalisierung mittlerweile alle Lebensbereiche in ihrem Heimatland durchdrungen hat. Um in diesem Markt zu bestehen, müssten nicht nur die Digital-Unternehmen ständig aktiv und flexibel bleiben, sondern auch jene Unternehmen und Marken, die auf diesen digitalen Plattformen und digitalen Welten erfolgreich sein wollen. Dabei beschränkt sich z.B. die Präsenz von digitalen Bildschirmen und Anwendungen in China nicht nur auf Computer und Mobile, sondern auch auf zahlreiche andere Bereiche. Bildschirme mit Zugriffsmöglichkeiten auf digitale Welten und digitale Angebote gibt es in schier unzähliger Anzahl auch an öffentlichen Stellen und Plätzen. Hier wird entdeckt, ausgewählt und gekauft.

Erfolgsschlüssel: Chinas KonsumentInnen verstehen

Westlichen Unternehmen empfiehlt Lingxiu Li, die aktuell im Hamburger Büro von Future Candy arbeitet: „Das Verständnis für das Verhalten der chinesischen Verbraucher ist von entscheidender Bedeutung. Es ist die Grundlage für den Erfolg im chinesischen Markt.“ Digitale Marketing und digitale Werbung prägen den Alltag in ihrem Heimatland wesentlich mehr als wir uns das vorstellen können. Über die Bildschirme würden nicht nur Produkte und Botschaften flimmern, den Kundinnen und Kunden würden z.B. auch gleich konkrete Anwendungen gezeigt. Große Unternehmen entwickeln eigene virtuelle Live-Shows, um ihre Produkte zu inszenieren und präsentieren.
Die großen Digitalen Plattformen wie Alibaba, Tencent und WeChat, aber auch zahlreiche Apps würden mit immer mehr und mehr Miniprogrammen arbeiten, um ein möglichst großes Angebot von Serviceleistungen zu bieten, wie Zahlungen, Buchungen, Unterhaltung, Essenservices, Uber-Bestellungen oder z.B. auch chinesisches Geld in Euro umrechnen zu können.

Wien Tourismus punktet mit Digital-Services

Sogar ein Vorzeigebeispiel aus Österreich präsentiert Lingxiu Li: Wien Tourismus, das um chinesische Touristen wirbt. Über deren App werden den potenziellen Gästen aus China nicht nur Sehenswürdigkeiten, Museen und touristische Einrichtungen präsentiert, sondern auch gleich Anwendungen wie Bestell- und Bezahlfunktionen für Souveniers oder eine Empfehlungsliste von anderen Gästen.
„Wir haben kein Facebook oder Google, alles ist chinesisch“, meint Lingxiu Li, wie beispielsweise die beiden Plattformen Alibaba und Tencent. Tencent, 1998 gegründet, und das ein Jahr später gestartet Alibaba würden sich seither nicht nur einen ständigen Wettbewerb liefern, sondern so auch die Entwicklung vorantreiben. „Sie haben so nicht nur den Wettbewerb befeuert, sondern auch unser Leben verbessert“, so Lingxiu Li über die beiden größten digitalen Player in China.

Dauerduell der Digitalriesen

Eines der aktuell beherrschenden digitalen Themen in China sei derzeit Metaverse, in dem nicht nur da Match zwischen Alibaba und Tencent weiterläuft, sondern sich auch viele andere digitale Unternehmen mit ganz unterschiedlichen Strategien bewegen würden. Da entstehen digitale Filmstudios, ein Avatar von Beethoven dirigiert ein virtuelles Konzert, Kosmetikkonzerne inszenieren eigene Welt, um sich zu präsentieren, und Produktpräsentationen werden von einer virtuellen Firmen-Chefin inszeniert. In all diese digitalen Szenarien können sich Unternehmen mit Werbe-Aktionen und -Auftritten für ihre Marken einkaufen.

Mehr Zeit, mehr Geld

Künstliche Intelligenz-Technologien (KI) würden im digitalen Marketing der Zukunft noch wesentlich wichtiger werden als sie es heute schon sind, sieht Lingxiu Li einen der großen Zukunfts-Trends. Zum Beispiel würden KI-Kameras eingesetzt, um die Augenbewegungen und Reaktionen zu tracken und auf diese reagieren zu können. Produkte und Angebote werden dann individuell eingespielt. 
Ein anderer Trend: Die Jugend als Zielgruppe wird noch wichtiger und noch mehr direkt angesprochen werden. Der Trend, der aus Sicht westlicher Unternehmen am interessantesten sein dürfte: Nicht nur die Bewohner der großen Megacities sind als Kundinnen und Kunden interessant, auch jene in den Städten der zweiten Kategorie würden über immer mehr Freizeit, Konsumbedürfnisse und Kaufwünsche verfügen. Lingxiu Li: „Denn auch die Menschen in diesen Städten haben immer mehr Geld zur Verfügung!“
Dieser Artikel wurde von Albert Sachs verfasst.



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