FMP Talk #48 29.09.2022, 11:00 Uhr

Unternehmen zwischen Greenwashing und echter Nachhaltigkeit

Besteht Green Marketing nur aus leeren Worten? Wie sich Nachhaltigkeit tatsächlich leben lässt und nicht zum grün gewaschenen Begriff verkommt – das war das Thema des 48. Forum Media Planung (FMP) Talks am 28. September. 
Nadina Ruedl (Die Pflanzerei), Jasmin Spreer (freie Klimajournalistin), Jochen Schneeberger (willhaben), Yvonne Sadilek (sgreening - Social und Green Marketing) und Klaudia Atzmüller (Ja! Natürlich, REWE International)
(Quelle: Gerhard Fally)
PodiumsexpertInnen des FMP Forum Media Planung ermutigen zu mehr Transparenz, Ehrlichkeit und Bewusstsein, Kaum eine Werbekampagne kommt aktuell ohne Begriffe wie „nachhaltig“, „grün“, „recyclebar“ und Co. aus. Fast alle Unternehmen versuchen die grünen Seiten ihrer Produkte und Services hervorzuheben. Aber wie ist es überhaupt möglich verantwortungsvoll zu kommunizieren ohne in die Greenwashing-Falle zu tappen? Zuallererst muss die Nachhaltigkeit im Kerngeschäft - also im Herzen des Unternehmens - verankert sein, so Yvonne Sadilek in ihrer Keynote. Erst dann kann durch glaubwürdiges, bewusstseinsbildendes und transparentes Handeln eine vertrauensvolle Beziehung mit den KonsumentInnen aufgebaut werden. Der ehrliche Umgang mit Fehlern und ein offener Diskurs sind dabei ebenso wichtig wie langfristige Zielsetzungen und klare Botschaften. Die „sieben Sünden des Greenwashings“ gilt es währenddessen zu vermeiden, da diese das Vertrauen erschüttern können. Dazu zählen beispielsweise Lügen, versteckte Kompromisse oder falsche Gütesiegel. „Wenn Nachhaltigkeit im Kerngeschäft gut verankert ist, dann ist ehrliche Kommunikation nicht schwer“, resümiert Sadilek.

Welche Welt wollen wir unseren Kindern hinterlassen?

Moderatorin Jasmin Spreer leitete die anschließende Diskussion mit der Frage ein, was Nachhaltigkeit für die Podiumsgäste eigentlich bedeutet. Die Antworten spiegelten die Vielseitigkeit des Themas wider. Neben der Umwelt tragen auch umfassende ökonomische und soziale Aspekte dazu bei, eine lebenswerte Zukunft zu sichern. Dazu Jochen Schneeberger treffend: „Nachhaltigkeit ist nicht einfach zu erklären, aber Nachhaltigkeit ist auch nicht einfach.“

Wie funktioniert grüne Kommunikation?

Unternehmen können allerdings wesentlich zur Bewusstseinsbildung für Nachhaltigkeit beitragen, wenn sie ihre Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft wahrnehmen. Für Nadina Ruedl bedeutet das, klassisches Marketing mit der Förderung von Konsumkompetenz zu verbinden: „Dazu gehören auch Maßnahmen, die nicht direkt Umsatz bringen, aber die eine positive Auswirkung auf die Gesellschaft haben.“

Wo liegen die Schwierigkeiten?

Wie umfassend die nachhaltigen Möglichkeiten für Unternehmen sind, wurde im Laufe der Diskussion deutlich: Vom ökologischen Produktdesign bis hin zur umweltbewussten Produktion von Werbemitteln. Aber nicht jede grüne Idee ist auch tatsächlich zielführend oder lässt sich sofort problemlos umsetzen. Klaudia Atzmüller betonte jedoch, wie wichtig es ist, immer wieder Neues auszuprobieren und konstant an den Nachhaltigkeitsbemühungen zu arbeiten – trotz Angst vor Fehltritten.

Welches Siegel ist vertrauensvoll und welches nur Etikettenschwindel?

Alleine im Lebensmittelbereich gibt es mittlerweile aberhundert unterschiedliche Nachhaltigkeitslabels. Das macht es für KonsumentInnen schwierig, nachzuvollziehen was dahintersteckt. Auch hier sind somit die Unternehmen gefordert, Orientierung zu bieten. Denn ein einzelnes Siegel ist oft nicht aussagekräftig genug, um ausreichend über ein Produkt aufzuklären. Viel eher helfen klare Richtlinien und überzeugtes Engagement der Anbieter*innen.

Welche Rahmenbedingungen braucht es für nachhaltiges Handeln?

Geht es nach den ExpertInnen des Abends sind Politik, Unternehmen und KonsumentInnen beim Thema Nachhaltigkeit gleichermaßen gefragt. Es braucht einen passenden rechtlichen Rahmen, Verantwortungsbewusstsein, ein gemeinsames Werteverständnis und gezielte Bildungsmaßnahmen. Nur dann wird ganzheitliches, nachhaltiges Handeln auch tatsächlich Realität und Greenwashing sofort als solches enttarnt.



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